"Le Figaro": Artikel über Haider & Gaddafi verhindert?
Journalisten der französischen Zeitung "Le Figaro" beklagen Druck von Inhaber und Politik. Laut Journalistengesellschaft wurde auch ein Artikel über Beziehungen von Haider und Gaddafi verhindert.

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Unter den Journalisten der konservativen französischen Tageszeitung "Le Figaro" verbreitet sich wachsender Unmut über angebliche Interventionen des Hauptaktionärs und Rüstungsindustriellen Dassault sowie den Druck des Chefredakteurs Etienne Mougeotte, einem begeisterten Anhänger von Präsident Nicolas Sarkozy (UMP). Dies veranlasste die Journalistengesellschaft SDJ, einen anonyme Internet-Umfrage unter den Redakteuren durchzuführen, um das Ausmaß dieses mutmaßlichen politischen Drucks zu bemessen. Die Ergebnisse sollen Anfang November bei einer Generalversammlung vorgestellt werden.
Drei Journalisten haben die Redaktion des "Figaro" aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Direktion nach der Sommerpause bereits verlassen. Bruno Jeudy und Guillaume Tabard von der Innenpolitik wechselten jeweils zu den Blättern "Le Journal du Dimanche" und "Les Echos". Mathieu Delahousse von der Chronik ging zum Radiosender "Europe 1", teilte die Journalistengesellschaft mit, die Mougeotte vorwirft, immer zugunsten Sarkozys Stellung zu nehmen, anstatt "das ganze konservative Lager" zu vertreten.
Für Unzufriedenheit sorgte zum Beispiel der Umstand, dass kein Artikel über die Kritik von Papst Benedikt XVI. an der massenhaften Abschiebung von Roma aus Frankreich veröffentlicht wurde. "Le Figaro" schrieb erst zwei Tage später über das Event in einem Artikel.
Außenpolitik
Aber auch die Außenpolitik geriet nach Angaben der SDJ auf die Zielscheibe Dassaults. So sei etwa die Veröffentlichung eines Artikels über die angeblichen Beziehungen des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi verhindert worden, gleich wie jene eines Berichts über die Absicht von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, BlackBerrys zu verbieten.
Alle diese Interventionen hängen nach Ansicht der Journalisten mit dem Verkauf von Dassault-Kampfflugzeugen an die betreffenden Länder in Zusammenhang. Deshalb habe auch ein Artikel heftige Kritik geerntet, in dem berichtet wurde, dass die Vereinten Arabischen Emirate israelisches Sicherheitsmaterial gekauft hätten. Dadurch seien die Verhandlungen zwischen den Emiraten und Dassault über den Verkauf von Rafale-Fliegern verzögert worden.
Etienne Mougeotte wies die Anschuldigungen allerdings zurück. "Wir machen eine Zeitung für die Leser, nicht für die Journalisten", betonte der Chefredakteur und unterstrich, dass die Verkaufszahlen des Blattes durchaus positiv seien. "Es befindet sich eine undurchdringliche Mauer zwischen der Gruppe Dassault und der Redaktion des Figaro, und ich bin der Garant dafür", versicherte Mougeotte. Es sei "ein Scherz", der Kündigung der drei "Figaro"-Journalisten einen politischen Sinn verleihen zu wollen, meinte der Chefreddakteur weiter.










