Widersprüchliches im Ravidass-Prozess

Foto © APA
Mit widersprüchlichen Zeugenaussagen hatte die Richterin am Dienstag beim Prozess um den blutigen Anschlag auf den Ravidass-Tempel in Wien zu kämpfen. Befragt wurden die beim Anschlag anwesenden Ravidass-Anhänger. Bei dem Anschlag waren im Mai 2009 die zwei spirituellen Führer der Glaubensgemeinschaft, die Gurus Sant Rama Nand und Sant Niranjan Dass, erschossen bzw. schwer verletzt worden.
Fest dürfte stehen, dass einige Sikh den Ravidass-Tempel aufgesucht hatten, weil sie mit deren Glaubensregeln nicht übereinstimmten. Sechs Sikh sitzen seit mittlerweile über 16 Monaten in U-Haft und zwei Monaten auf der Anklagebank, weil die Staatsanwaltschaft im mutmaßlichen Haupttäter Jaspal S. (36) den Schützen und in seinen mitangeklagten Glaubensbrüdern die Helfer erblickt, die ihm nach Abgabe der Schüsse die Flucht aus dem Gebetshaus ermöglichen hätten sollen, indem sie mit Dolchen auf einige Ravidass losgingen, die Jaspal S. überwältigen wollten.
Die Zeugenaussagen nährten allerdings eher Zweifel an der Täterschaft des einen oder anderen Angeklagten. So versicherte etwa ein junger Ravidass, der Erst- oder der Sechstangeklagte hätten geschossen, während der Dritt- und der Viertangeklagte die Dolche geschwungen hätten. Bei einer Gegenüberstellung im Ermittlungsverfahren hatte er demgegenüber den Sechstangeklagten als Schützen bezeichnet, wobei er - als ihm ganz zu Beginn der Erhebungen ein Lichtbild dieses Mannes vorgelegt wurde - anfänglich noch angeben hatte, er könne nicht sagen, ob jener bei dem Vorfall überhaupt dabei war.
Als er im Zeugenstand die Männer bezeichnen sollte, die mit Messern auf Gläubige eingestochen hatten, nannte der junge Mann den Zweitangeklagten, den er bis dahin nie belastet hatte. Damit konfrontiert, rechtfertigte er sich: "Die schauen alle ganz gleich aus."










