Kampusch will "die ganze Geschichte loswerden"
Am Mittwoch erscheint die Autobiografie von Natascha Kampusch (22). In Ihrem Buch berichtet sie über ihre Entführung und die Zeit im Keller.

Foto © APANatascha Kampusch
Das Foto vom Fotografen; ein rundliches Mädchengesicht, leicht zur Seite geneigt, der ernste Blick, die karierte Bluse. Dieses Bild ging vor zwölf Jahren in das kollektive Bewusstsein der Österreicher ein. Es wurde in Zeitungen gedruckt und im Fernsehen gesendet, es prangte an Litfaßsäulen und Flughäfen - und überall die Frage: Wo ist Natascha Kampusch? Wo ist dieses zehnjährige Wiener Mädchen, das auf dem Schulweg spurlos verschwand?
Acht Jahre und ein paar Monate später sind die Fotos längst verschwunden. Doch dann, plötzlich, ist das Gesicht wieder da. Das Kindliche ist verschwunden, der ernste Blick nicht. Natascha Kampusch sitzt im Studio des ORF und gibt ein Interview. "Ich war stärker als er", sagt sie. Sie meint Wolfgang Priklopil, jenen Mann, der sie entführt und gefangen gehalten hatte, acht Jahre lang in einem Bunker im Keller seines Hauses. Dort ist sie vom Kind zur jungen Frau geworden.
In ihrer Autobiografie, die am Mittwoch erscheint, will Kampusch dieses Lebenstrauma beschreiben. Doch die heute 22-Jährige passt nicht in das klassische Bild, das man von einem traumatisierten Entführungsopfer hat. Wenn Natascha Kampusch spricht, dann tut sie dies mit fester Stimme und gewählten Worten. Was sie zu sagen hat, wird von der medialisierten Öffentlichkeit gierig aufgesogen, oft bis zur Übersättigung.
Bis zum "Ich kann den Namen nicht mehr hören", wie in Leserbriefen öfters zu lesen ist. Doch der Name findet immer wieder seinen Weg in die Berichte. Zu viele Fragen wirft der Fall immer noch auf. Das ist ein Grund. Der andere ist, dass sich die junge Frau selbst wieder und wieder an die Öffentlichkeit katapultiert, sei es mit einer Fernsehtalkshow, einem geplanten Film oder eben nun mit dem Buch.
Geldgier werfen ihr manche vor, Geltungssucht. Als Versuch einer gequälten Psyche, mit dem unvorstellbaren Grauen umzugehen, werten es andere. "Ich will die ganze Geschichte loswerden", sagt sie über ihr Buch. Nach außen wirkt Kampusch selbstbewusst, zielstrebig. Wie es in ihr aussieht, bleibt unklar. Vielleicht wirft das Buch auch darauf ein wenig Licht. SONJA HASEWEND











