Das Rätsel um den Babytod
Mittlerweile sind drei Säuglinge in der Uniklinik Mainz an einer Infusion gestorben. Die genaue Ursache bleibt unklar. Deutschlands Gesundheitsminister Philipp Rösler, selbst Arzt, kritisiert indes die Krankenhaushygiene.

Foto © APADie Mainzer Uniklinik
Nach den vorläufigen Ergebnissen der Obduktion der beiden bereits am Samstag gestorbenen Babys ist laut Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth noch immer unklar, welche Keime sich genau in der Blutbahn der toten Kinder befanden.
Auch der dritte Säugling, der nach verschmutzten Infusionen an der Mainzer Universitätsklinik gestorben ist, soll obduziert werden. Das sehr kleine, in der 24. Schwangerschaftswoche geborene Frühchen - eine Schwangerschaft dauert normalerweise 40 Wochen - war bereits am Montagabend gestorben. Die Öffentlichkeit wurde später informiert, weil man den Eltern Zeit geben wollte, um sich von ihrem Kind zu verabschieden.
Der ärztliche Direktor der Mainzer Universitätsklinik, Norbert Pfeiffer, zeigte sich bei der Pressekonferenz ratlos. "Wir stehen im Moment noch vor einem Rätsel, wie und wann an dieser Stelle eine Verkeimung vonstattengehen konnte." Nach dem "Leck" im Herstellungsprozess der Infusion werde aber fieberhaft gefahndet, sagte er.
Der zunächst kritische Zustand von vier weiteren Frühgeborenen habe sich derweil gebessert, sagte Pfeiffer. Mit weiteren Todesfällen werde nicht mehr gerechnet. Insgesamt hatten elf Kinder die verunreinigten Infusionen erhalten. Möglicherweise gerieten die Bakterien durch die Schläuche in der Klinikapotheke in die Nährlösung.
Die ersten beiden Babys waren am Samstag gestorben, nachdem sie die verunreinigte Nährlösung erhalten hatten. In der Infusion wurden bislang zwei Sorten Fäkalkeime identifiziert, die normalerweise keine Gefahr für Menschen sind. Nach Angaben des Direktors der Kinder- und Jugendmedizin an der Mainzer Klinik, Fred Zepp, ist bei Frühgeborenen das Immunsystem aber noch nicht voll ausgebildet. Deswegen würden minimale Keimmengen für tödliche Infektionen reichen.
Schärfere Regeln
Unterdessen schaltete sich auch Deutschlands Gesundheitsminister Philipp Rösler ein, der selbst Arzt ist. Er will die Regeln zur Krankenhaushygiene verschärfen. Es könne nicht sein, dass ausgerechnet Präparate, die eigentlich dazu da seien, Menschen zu helfen, Leiden zu lindern und sie gesund zu machen, wahrscheinlich zu den tragischen Todesfällen geführt hätten.










