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Zuletzt aktualisiert: 05.08.2010 um 14:53 UhrKommentare

Torf: Ein Klimaretter, der zum Klimakiller wird

Brennender Torf ist eine echte Dreckschleuder: Enorme Mengen giftige Kohlenwasserstoffe und kleine Partikel verpesten die Luft. Doch würde man ausgetrocknete Moore wiederherstellen, würde aus dem Klimakiller ein Klimaretter werden.

Eine intakte Moorlandschaft ist gut für das Klima

Foto © Romy1956/Fotolia.comEine intakte Moorlandschaft ist gut für das Klima

Tausende Wald- und Torfbrände halten derzeit weite Teile Russlands in Atem - im wahrsten Sinne des Wortes. Nach Luft ringende Helfer, der Ohnmacht nahe. In Moskau geht ohne Atemschutz gleich gar nichts, wer kann, flüchtet aus der Stadt. Was in London ob des Nebels als romantisch durchgeht, ist in Moskau hochgradig gesundheitsgefährdend. Rauchschwaden, ausgelöst durch die Torfbrände, hüllen die russische Hauptstadt in einen gefährlichen Cocktail aus Giftstoffen. Ein Cocktail, Made in Russia, ein hausgemachtes Problem, auf das nicht nur Umweltschützer seit vielen Jahren aufmerksam machen.

Glut frisst sich weiter

Vor allem in Sowjetzeiten als Heizmaterial begehrt, wurden weitläufige Moorlandschaften in Russland trockengelegt. Seit dem Umstieg auf Gas und Öl als Brennstoffe, liegen riesige Torfflächen ungenutzt brach. Torf entsteht ausschließlich in Mooren, fehlender Sauerstoff aufgrund ständiger Nässe verhindert eine vollständigen Abbau von Pfanzenresten, diese Reste lagern sich als Torf ab. Über viele Jahrhunderte entstanden, sind Torfschichten oft viele Meter dick und genau hier liegt das Problem: Das Material entzündet sich sehr leicht - bereits ab 40 Grad kann es zu einer Selbstentzündung kommen. Und auch wenn sichtbar nach außen kein Feuer mehr brennt, frisst sich die Glut ins Erdinnere weiter.

Torf als Dreckschleuder

Brennender Torf ist eine Dreckschleuder wie sie im Buche steht und in großem Maße auch ein Klimakiller: So lange Moore feucht sind und funktionieren, können sie enorme Mengen an Schadstoffen speichern und so die Umwelt entlasten. Umgekehrt werden diese Feuchtgebiete zu wahren Dreckschleudern, wenn sie austrocknen und so ihre Speicherfähigkeit verlieren. Solche Torfbrände sind nicht nur schwer zu löschen, sondern schleudern enorme Mengen giftige Kohlenwasserstoffe und kleine Partikel in die Luft, die tief in die Lunge eindringen. Experten gehen davon aus, dass die giftige Mischung zumindest den gleichen Effekt hat, den auch Kettenrauchen erzeugt. Britische Forscher fanden in nordenglischen und schottischen Mooren vor allem hohe Werte an Schwermetallen.

"Situation in Zentraleuropa schlimmer"

Doch der Klimakiller kann in umgekehrter Form auch ein Klimaretter sein: "Intakte Moore sind ein großer Speicher von Kohlenstoff", so Martin Magnes vom Institut für Pflanzenwissenschaften an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Genau aus diesem Grund plädiert Magnes auch für die Renaturierung, also Wiederherstellung von ausgetrockneten Moorflächen, wie es bereits unter anderem in Bayern praktiziert wird. Und Magnes legt nach: "Jetzt mit dem Finger auf Russland zu zeigen, ist falsch, denn die Situation in Zentraleuropa ist viel schlimmer, hier wurden fast alle Moore bereits zerstört." Auch in Österreich verschwinden immer mehr Moorflächen und ihre Pflanzen von der Bildfläche - wie Martin Magnes an einem Beispiel aus der Steiermark zeigt: "Allein vom Karlszepter gibt es nur mehr im Edlacher Moor bei Trieben rund 250 Pflanzen. Durch permanente Entwässerungsmaßnahmen in diesem Moor droht die Pflanze in Österreich komplett auszusterben."

SUSANNE RAKOWITZ

Verwendung

Torf kann als Brennmaterial benutzt werden, allerdings hat der Torf nur eine Kohlenstoffgehalt von 50 Prozent (Steinkohle hat 90 Prozent) und ist kein sehr gutes Heizmaterial. Heutzutage wird Torf vor allem im Gartenbau verwendet. In Schottland wird in einigen Whisky-Destillerien das Malz über einem Torffeuer gedarrt.

Moor-Vorkommen

Insgesamt fünf Prozent der Landfläche der Erde sind mit Mooren bedeckt, in Europa sind es rund 5,5 Prozent. In Österreich sind 0,3 Prozent der Landfläche Moore. Allein der europäische Teil Russlands kann eine Moorfläche von 60.000 Quadratkilometer aufweisen. Weitere Länder mit hohem Mooranteil sind Schweden (44.000 Quadratkilometer) und Finnland (22.000 Quadratkilometer).

Quelle: Landschaftsökologische Moorkunde von Michael Succow

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