Verzweifelter Hilferuf der Helfer
Der Anteil der Älteren wird in den nächsten Jahrzehnten sprunghaft ansteigen - und damit der Bedarf an Pflegern. Doch davon gibt es viel zu wenige. Hilfsorganisationen machen am Mittwoch mobil und fordern von der Regierung Taten .

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Bevölkerungs-Pyramide? Das Bild trifft die Wirklichkeit schon lange nicht mehr. Zeichnet man die derzeitige Altersstruktur der österreichischen Gesellschaft nach, erhält man ein ausgebeultes Fünfeck. Noch stellt die Generation der 45-Jährigen den Löwenanteil. Doch bereits in 20 Jahren wird sich das Verhältnis deutlich zugunsten der 60-Jährigen verschieben. 2050 schließlich werden laut Statistik Austria 80-Jährige die relativ gesehen größte Bevölkerungsschicht bilden - eine Generation, die auch dann noch erhöhten Pflegebedarf haben wird. Was bedeutet das für die Gesellschaft?
Dazu präsentieren am Mittwoch die fünf größten Pflege-Organisationen einen Forderungskatalog an die Politik. Die Devise lautet: "Pflege - Die ungenutzte Chance am Arbeitsmarkt." Die katholische Caritas, evangelische Diakonie, die eher rote Volkshilfe, das eher schwarze Hilfswerk und das Rote Kreuz fordern nicht nur mehr Geld, sondern machen ganz konkrete Lösungsvorschläge.
"In Zukunft werden viel weniger Angehörige viel mehr alte Menschen zu betreuen haben", prophezeit etwa Caritas-Präsident Franz Küberl. "Die Schere geht immer stärker auseinander." Pflegeberufe müssten daher "attraktiver" werden - nicht nur bei der Bezahlung. "Bei der Pflege geht es um Fragen von Leben oder Tod. Die körperliche und seelische Belastung ist enorm." Kaum ein anderer Beruf weise derart hohe Burn-out-Raten auf.
Ruf nach Pflegefonds
Mit Bangen verfolgen die Hilfsorganisationen auch die anschwellende Forderung nach einem Berufsheer. Denn mit dem Präsenz- würde auch der Zivildienst abgeschafft werden. Und ohne die vom Staat subventionierten jungen Männer würde die Alten- und Behindertenpflege zusammenbrechen.
Rund 20.000 Pflegerinnen und Pfleger kümmern sich derzeit in Österreich um Alte und Gebrechliche. Einen beträchtlichen Anteil stellen dabei ausländische Rund-um-die-Uhr-Betreuer, deren Tätigkeit vor zwei Jahren gesetzlich abgesichert wurde. "Aber mit ausländischen Pflegern alleine werden wir auf Dauer nicht das Auslangen finden", warnt Othmar Karas, Präsident des Hilfswerkes und EU-Abgeordneter für die ÖVP. Wie Küberl fordert er von der Regierung einen mit mehreren hundert Millionen Euro dotierten "Pflegefonds". Damit soll nicht nur die Langzeitbetreuung für ältere Menschen, sondern auch bessere Ausbildung, Bezahlung und Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte gewährleistet werden.
Bei der Verwaltung sparen
Der Zeitpunkt für das Vorpreschen der Wohlfahrtsorganisationen ist bewusst gewählt. Im Herbst beginnen erste Verhandlungen zum Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern. Woher das Geld nehmen? "In der Verwaltung kann man Milliarden einsparen", heißt es dazu beim Hilfswerk. Außerdem leiden die Hilfsorganisationen darunter, dass die Dinge in jedem Land anders geregelt werden.
Geld allein sei jedenfalls kein Heilmittel, sagt Küberl. Angesichts der demografischen Entwicklung sei es nun hoch an der Zeit, eine Debatte über den Umgang mit Älteren zu führen: "Wir sollten uns endlich die Frage stellen, was notwendig ist, damit die Umsorgung des Lebens eine menschliche ist."











