"Wirtin mit Rundungen"
Hirter Brauerei und Werbeagentur Uppercut "überrascht" von der Wirkung ihres Fasstypen-Plakats. "Wir haben nie an Sexismus gedacht!"

Foto © HoffmannUmstrittenes Plakat: Allegorien auf Fassbiersorten oder Herabwürdigung der Frau zum Sex- und Konsumobjekt
Unerbittlich werfen 22 Beschwerden auf www.werberat.at der Brauerei Hirt Sexismus vor. Beschworen werden "verheerende Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft", "Frauen entwürdigend, sogar für Kinder und Jugendliche sichtbar".
Michaela Ebner von der Klagenfurter Werbeagentur "Uppercut" ist geschockt: "An so etwas haben wir nie gedacht, als wir die Kampagne gemeinsam mit der Brauerei Hirt entworfen haben. Wir wollten die Fassbiere allegorisch darstellen - durch starke, differenzierte Frauen." Das Wort "sexy" fällt ihr gerade nicht ein.
Auch Volkmar Fussi, Obmann der Kärntner Werber, hält das Plakat nicht für sexistisch. "Darstellungen dieser Art sind in der Werbung allgemein akzeptiert." Schönheitsideale und die Darstellung von Sex und Erotik spielen mit menschlichen Trieben und erzielen zumindest kurzfristig erhöhte Aufmerksamkeit.
"Werbung darf alles außer langweilig sein. Die Frage ist nur, ob die Umsetzung authentisch zu Produkt und Marke passt", hat Fussi inhaltliche Kritik. Mit der Kampagne setze Hirter seine über Jahrzehnte gepflegte Reputation als qualitätsvolle regionale Privatbrauerei aufs Spiel.
Wenn er Hirters nächstes Plakat machen sollte: Wie würde er den Schaden begrenzen? "Vielleicht mit einer originellen Wirtin mit netten Rundungen. Es soll ja um die Fasstypen gehen."
Tausende Anfragen
Dietmar Kerth, Geschäftsführer von Hirt, ist hin- und hergerissen: "Die Wirkung des Plakats hat mich schon überrascht, auch positiv. Tausende wollen das Plakat haben. Gestern kamen 1300 Anfragen - bis unser Server eingegangen ist." Über Sexismus geschimpft hat höchstens ein Prozent. "Es ist komisch: Als wir vor Jahren mit einem männlichen Sixpack-Bierbauch geworben haben, hat sich niemand aufgeregt."
Im Oktober kommt der zweite Teil der Kampagne mit "allegorischen Darstellungen" - allerdings mit drei Männern.
Angst vor Umsatzeinbußen hat Kerth nicht: "Obwohl das mit Abstand meiste Bier von Frauen für ihre Ehemänner gekauft wird."










