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Zuletzt aktualisiert: 28.07.2010 um 20:38 UhrKommentare

Kataloniens Todesstoß für Toreros

Seit Langem gefordert, nun Realität. Katalonien beschließt als erste spanische Festlandregion ein Verbot des Stierkampfes. Tierschützer feiern ihren historischen Sieg, obwohl es fraglich bleibt, ob sich das Verbot auf ganz Spanien auswirkt.

Diese Bilder haben in Katalonien ein Ende

Foto © ReutersDiese Bilder haben in Katalonien ein Ende

Jahrhunderte der Grausamkeit sind beendet", jubeln die Tierschützer der Bürgerinitiative Prou ("Genug"), die mit ihrem Volksbegehren einen historischen Sieg errangen: Das Parlament der nordspanischen Region Katalonien verbot die heftig umstrittenen Stierkämpfe. "Eine neue Epoche beginnt", erklärt Prou. Die Tierschützer hoffen, dass ihr Erfolg den "Kreuzzug gegen die Stierkämpfe vorantreiben" werde.

Kaum war das Abstimmungsergebnis verkündet, schallten Freudenschreie durch den Parlamentspalast in Barcelona. Befürworter der Verbannung umarmten sich. Toreros, die auf der Zuschauertribüne saßen, machten lange Gesichter, hatten Tränen in den Augen. Die Polizei hatte vor dem Gebäude Mühe, Stierkampffreunde und -feinde zu trennen: "Ignoranten", skandierten die einen. "Endlich ein Ende der Grausamkeiten", riefen die anderen.

Nach einer heftigen Debatte stimmten 68 Abgeordnete - vor allem der katalanischen Regionalparteien und der regierenden Sozialisten - für ein Verbot, 55 waren dagegen. Die konservative und traditionsliebende Volkspartei sah nach der Entscheidung ziemlich rot, will Kataloniens Stierkämpfe nun mithilfe des Verfassungsgerichtes retten. Und bei der Weltkulturorganisation Unesco beantragen, dass der Stierkampf "als Kulturerbe der Menschheit geschützt wird".

Von 2012 an, so der Gesetzesbeschluss, werden auf katalanischem Gebiet keine Stiere mehr in der Arena getötet. Eine Entscheidung, der viel symbolische Kraft zukommt. Aber nur wenigen Kampfbullen das Leben retten wird. Zuletzt wurden in der Region nur noch in Barcelona Stierkämpfe veranstaltet. Im vergangenen Jahr genau 18. Stierkämpfe sind im politisch eigenwilligen Katalonien, das zunehmend auf Unabhängigkeit von Spanien pocht, schon länger unbeliebt. Vor allem, weil diese Tradition der "fiesta nacional" (nationales Fest) als ziemlich spanisch gilt.

Katalonien ist nun nach den Kanarischen Inseln die zweite spanische Region, welche den Stierkampf verbietet. Auf den Kanaren sind "corridas" bereits vor 20 Jahren untersagt worden, sie waren dort freilich auch nie beliebt. Dafür sorgen auf diesen Atlantikinseln die verbreiteten, obgleich illegalen Hahnenkämpfe für Empörung der Tierschützer.

17.000 Stierkämpfe jährlich

Im restlichen Spanien ist der Stierkampf immer noch fester Bestandteil der Stadt- und Dorffeste. Der Statistik zufolge werden jedes Jahr etwa 17.000 Stierkämpfe oder Stierrennen veranstaltet, welche die Kassen klingeln lassen. Zum wohl berühmtesten Spektakel, das stets Anfang Juli in der nordspanischen Stadt Pamplona stattfindet, kommen annähernd eine Million Besucher.


Wissenswert

Geschichte: Die heutige Art des Stierkampfes gibt es seit dem frühen 18. Jahrhundert, die erste Stierkampfarena wurde 1749 gebaut. Unter König Karl IV. war der Stierkampf verboten, sein Nachfolger Ferdinand VII. erlaubte ihn jedoch wieder. 1796 wurden erstmals die Regeln beschrieben, nach denen der spanische Stierkampf im Wesentlichen bis heute durchgeführt wird.

Corrida und Torero: Im spanischen Stierkampf, der Corrida (span.: "Rennen"), wird der Stierkämpfer Torero (von Toro, "Stier") genannt.

Wirtschaftliche Bedeutung: In Spanien gibt es etwa 1200 Zuchtbetriebe von Kampfstieren mit etwa 70.000 Beschäftigten, vor allem in Andalusien, Castilla-León und Extremadura, die einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaften.

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