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Zuletzt aktualisiert: 20.07.2010 um 16:01 UhrKommentare

Honsik zweifelte Existenz von Gaskammern erneut an

Bei einem Prozess wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung sagte Gert Honsik, dass es auf großdeutschem Boden keine derartigen Einrichtungen gegeben habe. Die Gaskammern in Mauthausen seien demnach im Nachhinein eingebaut worden.

Holocaust-Leugner Gerd Honsik

Foto © APAHolocaust-Leugner Gerd Honsik

Schreiduelle, heftige Wortgefechte, die erneute Anzweiflung von Gaskammern sowie viel Wohlwollen der Sympathisanten im Publikum für den Angeklagten - so lautet die turbulente Bilanz des ersten Prozesstages gegen Holocaust-Leugner Gert Honsik, der am Dienstag am Wiener Straflandesgericht über die Bühne gegangen ist. Der 68-Jährige musste sich erneut wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung in zwei seiner Bücher verantworten. Weil die Verteidigung 65 Beweisanträge eingebracht hat, wurde die Verhandlung auf 9. September vertagt.

Zwei Bücher im Mittelpunkt

Zwar war Honsik im April 2009 für zahlreiche, im Zeitraum 1997 bis 2003 von ihm veröffentlichte Ausgaben der Zeitschrift "Halt!" im Wiener Straflandesgericht schuldig erkannt worden. Doch das Wiener Oberlandesgericht (OLG) reduzierte vor vier Monaten die dafür verhängte Strafe von fünf auf vier Jahre Haft. Die Anklagebehörde macht nun in einer separaten Verhandlung zwei Bücher Honsiks zum Prozessgegenstand. Die inkriminierten Werke "Schelm und Scheusal" und "Der Juden Drittes Reich" waren bereits Inhalt der Anklage im vorangegangen Prozess gewesen, wurden damals jedoch zur Vermeidung von Verfahrensverzögerungen ausgeschieden.

Zu Beginn verlief alles relativ gesittet: Der Staatsanwalt bezeichnete Honsik als "Blender", "Geschichtsfälscher" und "Propagandamaschine", dessen bisher 21 Verurteilungen eine "bedeutende Verbrecherkarriere" darstelle. Verteidiger Herbert Schaller attestierte hingegen seinem Mandanten, er sei "kein asoziales Element". Honsik habe "immer in Arbeit gestanden" und eine Familie gegründet. Seine drei Kinder sowie seine acht Enkel seien allesamt "anständige Menschen" und "gut erzogen". Als Schaller dann auch noch viele Jahre zurückreichende Verurteilungen zu zerpflücken begann, die nicht Verhandlungsgegenstand waren, platzte Richter Andreas Böhm erstmals der Kragen. Lautstark forderte er den Verteidiger auf, "endlich zur Sache zu sprechen".

Eineinhalb Stunden und etliche Schreiduelle später verhängte Böhm etwas entnervt die erste Verhandlungspause. Zuvor war Schaller selbst haarscharf an Aussagen vorbeigeschrammt, die ihm als Wiederbetätigung angelastet hätten werden können. Auf die wiederholte Frage, ob er, Schaller, selbst behaupte, es hätte keine Gaskammern gegeben, wich der Strafverteidiger immer wieder aus. Als einer "Anhänger" Honsiks im Zuschauerbereich den Ausführungen Schallers auch noch applaudierte, wurde er des Saales verwiesen.

Anschließend hatte Honsik selbst das Wort - und machte davon reichlich Gebrauch. Es entwickelte sich ein reger, allerdings ziemlich ergebnisloser Dialog zwischen dem Richter und dem Angeklagten, denn letzterer antwortete selbst auf eindeutige Fragen nie mit Ja oder Nein. Lediglich hie und da wurde Honsik laut: "Es gab auf großdeutschem Boden keine einzige Gaskammer, dabei bleibe ich. Hier endet die 65-jährige Lüge von den Gaskammern in Mauthausen und Dachau - und ich wurde 25 Jahre lang verfolgt, wie Nelson Mandela." Die Gaskammern in Mauthausen seien übrigens im Nachhinein eingebaut worden, so der Beschuldigte.

Honsik ritt überdies wilde Attacken gegen Simon Wiesenthal, den er immer wieder als "Lügner" und "Münchhausenonkel" bezeichnete. Der 68-Jährige vertrat die These, dass in den Plan von der Vernichtung der Juden lediglich 200 Menschen eingeweiht gewesen seien und dieser strengster Geheimhaltung unterlag. "Ich leugne die in der Öffentlichkeit verübten Verbrechen, die durch den Staat (das Dritte Reich, Anm.) nicht gedeckt waren", so Honsik. Und weiter: "Sechs Millionen Deutsche werden uns unterschlagen und ich werde als Lügenonkel dargestellt."


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