Attentäter mit Down Syndrom: 43 Tote im Irak
Südwestlich von Bagdad explodierten die Gürtel zweier geistig behinderter Attentäter. Zunächst war unklar, ob die zwei Männer den Zünder selbst betätigten oder mittels Fernzündung in die Luft gejagt wurden.

Foto © Reuters
Terroristen im Irak schicken jetzt auch Menschen mit Down-Syndrom als Selbstmordattentäter in den Tod. In der Ortschaft Al-Radwanija südwestlich von Bagdad starben am Sonntag nach unterschiedlichen Angaben bis zu 43 Soldaten und Bürgerwehr-Kämpfer (Sahwa-Miliz), als während der Auszahlung ihres Solds die Sprengstoffgürtel von zwei geistig Behinderten explodierten. Nach Angaben der Polizei hatten sich zwei Männer mit Down-Syndrom unter die Bürgerwehr-Angehörigen gemischt. 28 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Zunächst war unklar, ob die zwei Männer ihre Sprengstoffgürtel selbst zur Explosion gebracht hatten, oder ob die Sprengsätze mit einem Fernzünder ausgelöst wurden.
Etwa zur gleichen Zeit sprengte sich auch in der Stadt Al-Kaim an der Grenze zu Syrien ein Selbstmordattentäter in die Luft. Er zündete seinen Sprengstoffgürtel vor dem Haus eines Bürgerwehr-Kommandeurs, der ebenfalls gerade dabei war, an seine Kämpfer Geld zu verteilen. Der Attentäter riss bis zu vier Angehörige der Einheit des Kommandanten mit in den Tod. Ahmed Khallaf, ein Angehöriger der Bürgerwehr von Al- Kaim, der den Anschlag unverletzt überlebte, sagte: "Der Selbstmordattentäter hat sich vor dem Haus in die Luft gesprengt, so dass nur vier Menschen starben und sechs verletzt worden. Wenn er bis in das Haus vorgedrungen wäre, hätten noch viel mehr Menschen ihr Leben verloren."
Die Zahl der Angriffe auf Bürgerwehr-Kämpfer und Angehörige der Sicherheitskräfte hat in den sunnitischen Städten und Wohnbezirken in den vergangenen Monaten zugenommen. Viele Iraker geben den Parteien die Schuld, denen es seit der Parlamentswahl vom 7. März nicht gelungen ist, eine Regierung zu bilden. Dadurch ist ihrer Ansicht nach ein Machtvakuum entstanden, das von den Al-Kaida-Terroristen ausgenutzt wird.
Sie Sahwa-Miliz kämpft seit dem Jahr 2006 gegen das Terrornetzwerk Al Kaida. Die Sahwa-Brigaden, die auch als "Söhne des Irak" bekannt sind, bestehen überwiegend aus ehemaligen sunnitischen Aufständischen. Auf Initiative örtlicher Stammesführer nahmen sie im Sommer 2006 ihren Kampf gegen Al Kaida auf und spielten dabei eine wichtige Rolle in der US-Strategie. Sie trugen maßgeblich zu einer Verringerung der Angriffe von Aufständischen bei - wurden aber immer wieder auch selbst zum Ziel von Anschlägen.
Seit Oktober 2008 stehen die Milizionäre unter irakischem Kommando. Obwohl die Führung in Bagdad zugesagt hatte, ein Fünftel der Milizionäre in die regulären Truppen des Landes zu integrieren und weitere in öffentliche Ämter zu bringen, verläuft dieser Prozess nur schleppend. Viele der Milizionäre befürchten, dass sie nicht nur im Fadenkreuz des Al-Kaida-Terrornetzwerks stehen, sondern auch von der Regierung in Bagdad mit Misstrauen betrachtet werden.
Unter US-Führung sollen die Milizionäre für ihre Dienste monatlich rund 300 Dollar bekommen haben, von der schiitisch-geführten irakischen Regierung hingegen nur 100 Dollar pro Monat. Im vergangenen halben Jahr wurden immer wieder Sahwa-Kämpfer getötet, auch viele Angehörige fielen Racheakten zum Opfer.
Der Anwalt des früheren irakischen Vize-Regierungschefs Tarek Aziz, der am Mittwoch von einem US-Gefängnis an die irakischen Behörden überstellt worden war, teilte unterdessen mit, dass von der irakischen Justiz gegen seinen Mandanten weitere Vorwürfe erhoben worden seien. Er sei darüber informiert worden, dass Aziz und 15 weitere Beschuldigte am Samstag vor Gericht gestellt wurden, um sich wegen "Verschwendung öffentlicher Gelder" zu verantworten, sagte Badih Aref am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.
Die US-Armee hatte die Kontrolle über ihr letztes Gefangenenlager im Irak, Camp Cropper, am Donnerstag den örtlichen Behörden übergeben. Bei den meisten Insassen handelt es sich um Führungsmitglieder der verbotenen Baath-Partei von Saddam Hussein. Asis hatte sich im April 2003 nach dem US-Einmarsch im Irak der US-Armee ergeben und war in Camp Cropper inhaftiert worden. Wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" im Zusammenhang mit der Hinrichtung von 42 Kaufleuten im Jahr 1992 hatte ein irakisches Gericht Asis 2009 zu 15 Jahren Haft verurteilt.










