Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Mai 2013 10:15 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Auto raste in den USA in Wanderer-Parade Erdbeben der Stärke 5,9 im Nordosten Japans Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Chronik Nächster Artikel Auto raste in den USA in Wanderer-Parade Erdbeben der Stärke 5,9 im Nordosten Japans
Zuletzt aktualisiert: 07.07.2010 um 20:24 UhrKommentare

Jeder vierte Moldawier geht ins Ausland arbeiten

Um Geld zu verdienen, arbeiten die Moldawier im Ausland oft auch illegal. Die Kinder bleiben zurück. Mit Mikrokrediten versucht man, wieder Arbeit ins Land zu bringen.

In der Heimat zurückgelassen

Foto © APIn der Heimat zurückgelassen

Wenn Nicoleta von der Schule heimkommt, wartet keine Mama auf sie und kein Papa. Morgens, wenn sie aufwacht, keine Mama und auch nicht abends, wenn sie schlafen geht. Dreieinhalb Jahre ist es her, dass das zarte, dunkelhaarige Mädchen seine Eltern zuletzt gesehen hat. Denn damals gingen die beiden fort aus Telita, dem hübschen, aber völlig verarmten Dorf im Osten Moldawiens (Moldaus), um in Griechenland Arbeit zu suchen. Seit dem Tag wird die Sechsjährige von ihrer Oma aufgezogen. "Sie hatten keine andere Wahl", seufzt Liuba Munteanu müde, die neben Nicoleta noch die beiden Kinder ihres Sohnes, der in Moskau am Bau arbeitet, zwei Kühe und den Garten betreut. "Hier hatten sie keine Chance, eine Familie zu ernähren." Die Mama kam über Schlepper nach Griechenland und ist jetzt ohne Papiere - deshalb kann sie ihre kleine Nicoleta auch nicht besuchen kommen.

Armenhaus Europas

Ein Viertel der Moldawier hat das Land verlassen, um im Ausland Geld zu verdienen. Ein Land östlich von Rumänien, das viele bei uns gar nicht kennen; das Armenhaus Europas, und zugleich sein Waisenhaus. Jedes dritte Kind, so schätzen Experten, wächst ohne Eltern auf.

Das war nicht immer so. In Sowjetzeiten galt Moldawien als blühender Garten der Sowjetunion. Man lieferte Wein, Obst, Rüstung an Russland und andere Republiken. 1989 zerbrach das Sowjetgebilde und damit der Absatzmarkt der Moldawier. Die kleine Republik erklärte sich für unabhängig, doch bis heute hat sie die Transformation und auch die Abspaltung des stärker industrialisierten Transnistrien nicht verdaut. Die sozialen Gegensätze sind gewaltig. Während in der Stefan cel Mare-Prachtstraße in der Hauptstadt Chisinau Neureiche ihren Ferrari ausführen, fehlt es draußen am Land an Fließwasser, Kanalisation, Straßen.

Zerstückelt

"Die Privatisierung des sowjetischen Staatseigentums hat uns die Sache nicht erleichtert", sagt Gheorghe Bodiu, früher Kolchos-Chef in Niorcani. Das Dorf im Norden des Landes probt den Neuanfang. Anfang der 90er-Jahre wurde der gesamte Grund und Boden der damaligen staatlichen Agrarkooperativen auf die Landbevölkerung aufgeteilt; jeder Bürger bekam etwa 2,6 Hektar. Das Ergebnis: Die Agrarflächen sind vollkommen zerstückelt. Was fängt man an mit einem Acker, wenn es an Saatgut, Gerätschaft, Know-how fehlt? Schaufel und Pferdepflug dominieren das Bild auf den Feldern.

Bordiu hat versucht, mit den neuen Zeiten zu gehen - und die ähneln ein bisschen den alten: "Ich habe mich mit Kollegen zusammengeschlossen und eine Kooperative gegründet", erzählt der 62-Jährige mit dem sonnengegerbten Gesicht. So werden aus den vielen kleinen Privatgründen wieder größere Felder, die sich effektiver bearbeiten lassen. Hilfe bekommt er dabei auch aus Österreich - über die Mikrokreditgenossenschaft Oikocredit. "Endlich haben wir eine moderne Erntemaschine direkt aus Großbritannien", ist Bordiu stolz. Weizen, Johannisbeeren, Äpfel sind jetzt seine Hoffnungsträger.

Immerhin schafft er damit 40 Arbeitsplätze - auch einen für Olympia Basarab. Die 65-Jährige mit dem klingenden Namen und den blitzenden Zahnlücken sitzt mit ihrem Hund vor dem jetzt leeren, früheren Schweinestall der Kolchose. Hier arbeitete sie schon, als sie noch alle mit "Genossin" ansprachen. Jetzt bewacht sie die Felder der nun privatwirtschaftlichen Kooperative. Eigentlich ist sie in Pension. Doch mit umgerechnet 50 Euro - bei Preisen, die nur knapp unter denen in Österreich liegen - bleibt ihr nichts anderes übrig. "Früher war alles leichter", sagt sie und zupft an ihrem bunten Tuch.

Sie kommen zurück

Valentin Zurkan, der mit Bordiu die Kooperative gegründet hat, ist dennoch stolz: "20 Leute sind vor ein paar Jahren aus unserem Dorf ins Ausland gegangen", sagt er. "Sie sind jetzt alle wieder zurück, weil wir Arbeit für sie geschaffen haben."

Doch bis das zu einem nationalen Trend wird, ist noch viel Aufbauarbeit nötig. Geschätzte 1,5 Milliarden Euro schickten die Auslandsmoldawier im Vorjahr heim - ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes. "Es gibt nur eine Lösung", sagt Zurkan. "Wir brauchen Starthilfe, und dann müssen wir an uns und unser Land wieder glauben."

NINA KOREN, CHISINAU

Steiermark > Graz

Wolkig
Graz
min: 9° | max: 25°
7-Tagesprognose

Aktuelle Leser-Fotos

KLEINE.tv

Der alte Mann und der Afritzer See

Christian Kind ist 66 Jahre alt und angelt sein Leben lang. Jeden Tag im...Noch nicht bewertet

 




Fotoserien

Zyklon "Mahasen" erreicht Bangladesch 

Zyklon "Mahasen" erreicht Bangladesch

 


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang