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Zuletzt aktualisiert: 13.08.2010 um 15:30 Uhr

TV-Geständnis "widerwärtige Inszenierung"

Das Steinigungsurteil wegen Ehebruchs, das in ein Mordurteil umgewandelt wurde, hatte weltweit Proteste ausgelöst. Brasiliens Präsident hatte Ende Juli angeboten, die Frau in seinem Land aufzunehmen.

Foto © AP

Der Iran will die zum Tod durch Steinigung verurteilte Sakineh Mohammadi Ashtiani nicht nach Brasilien ausreisen lassen. Der Iran habe keine offizielle schriftliche Anfrage aus Brasilien erhalten, sagte der iranische Botschafter in dem südamerikanischen Land, Mohsen Shatersadeh, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Agencia Brasil. "Der Prozess betrifft Iraner, warum sollten andere Länder daran beteiligt sein?" Amnesty International übte unterdessen scharfe Kritik am Umgang Teherans mit dem Fall. Der Generalsekretär von Amnesty International in Österreich, Heinz Patzelt, sprach im Ö1-"Morgenjournal" vom Freitag von einer "widerwärtigen Inszenierung der iranischen Regierung".

Das Steinigungsurteil wegen Ehebruchs gegen die 43-Jährige hatte weltweit Proteste ausgelöst. Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hatte Ende Juli angeboten, die Frau in seinem Land aufzunehmen. Die iranische Regierung sei sich sicher, dass Lula sich nicht in iranische Angelegenheiten einmischen wolle, sagte Botschafter Shatersadeh. "Er handelte aus menschenfreundlichen Beweggründen." Es gebe jedoch Vergehen, die im Einklang mit den iranischen Gesetzen und den moralischen und kulturellen Vorstellungen des Landes behandelt würden.

In einer Sendung des staatlichen iranischen Fernsehens hatte eine als Mohammadi Ashtiani vorgestellte Frau am Mittwochabend zugegeben, dass ihr Liebhaber ihr vorgeschlagen habe, ihren Ehemann zu töten. Sie sei dann bei dem Mord selbst zugegen gewesen. Die Frau war nicht zu erkennen. Sie trug einen schwarzen Tschador, der nur ihre Nase und ein Auge frei ließ. Ashtianis Anwalt sagte anschließend, seine Mandantin sei zwei Tage lang "schwer geschlagen und gefoltert" worden, um sie zu dem Geständnis vor laufender Kamera zu zwingen.

Die Frau sitzt nach Angaben ihres Anwalts seit zwei Jahren im nordwestiranischen Tabriz im Gefängnis. Laut Amnesty International wurde sie 2006 oder 2007 verurteilt und erhielt bereits 99 Peitschenhiebe als Strafe. Die Hinrichtung durch Steinigung wurde im Juli ausgesetzt.

Amnesty-Generalsekretär Patzelt sagte gegenüber Ö1, die 43-Jährige sei zuerst "völlig absurd" wegen Ehebruchs angeklagt und mit Steinigung bedroht gewesen, dann habe der "ganz massive Druck" aus den westlichen und nördlichen Ländern der Welt auf die iranische Regierung zu einer "Pseudorevisionsankündigung dieses Urteils" geführt, "und das endet damit, dass die Anklage jetzt nach einem erzwungenen öffentlichen TV-Geständnis zu einer Mordanklage umgewandelt werden soll". Offensichtlich meine die Regierung in Teheran, dass eine Todesstrafe für einen Mord im Westen und Norden der Welt akzeptabler sei als eine Steinigung wegen Ehebruchs. Die gesamte Verfahrensführung spotte jeder unabhängigen Gerichtsbarkeit. Die Menschenrechtslage im Iran insgesamt bezeichnete Patzelt als "rundherum katastrophal".

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