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Zuletzt aktualisiert: 05.07.2010 um 13:45 Uhr

Mord in Hietzing: Verdächtiger beharrt auf "Sex-Unfall-Version"

Der von der Polizei von Beginn an Verdächtigte hat offenbar zufolge zugegeben, den Tod seiner Freundin verursacht zu haben. Von Tötungsabsicht will er aber nichts wissen. Die Frau war zerstückelt worden.

Die Einsatzkräfte bei der belastenden Arbeit

Foto © APADie Einsatzkräfte bei der belastenden Arbeit

Der 22-jährige Philipp K., der in der Nacht auf Freitag seine Ex-Freundin in der Auhofstraße in Wien-Hietzing erstochen und danach zerstückelt hat, bleibt auch nach seiner Einlieferung ins Landesgerichtliche Gefangenenhaus bei seiner Version, er habe Stefanie P. (21) nicht töten wollen. "Er verantwortet sich in Richtung Unfall. Er sagt, ihr Tod ist unabsichtlich passiert. Ein Zeuge stellt das vom Hörensagen her allerdings anders dar und widerspricht dem", gab die Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Michaela Schnell, am Montag auf APA-Anfrage bekannt.

Der junge Mann, der im kommenden Herbst in Wien ein Medizinstudium beginnen wollte, war eine Zeit lang mit der als lebenslustig, agil und aufgeweckt beschriebenen 21-Jährigen liiert. Nach der Trennung sollen sich die beiden weiter getroffen und auf unverbindlicher Ebene Sex gehabt haben. Auch beim letzten Treffen kam man nach Darstellung von Philipp K. nach recht kurzer Zeit zur Sache, wobei die Frau von ihm verlangt haben soll, eine Vergewaltigung nachzustellen. Sie soll ihn zudem aufgefordert haben, diese mit einem Messer in der Hand nachzustellen, um die Szene authentischer erscheinen zu lassen.

Der 22-Jährige versichert, während des Sex habe er mit dem Messer der Frau ungewollt einen Stich im Brustbereich zugefügt. Zu seinem Entsetzen habe er feststellen müssen, dass dieser tödlich war. Er sei dann in Panik verfallen. In diesem Zustand will Philipp K. sich entschlossen habe, die Leiche zu zerteilen, wobei er davor und während dieser Tätigkeit, die sich über mehrere Stunden erstreckt haben dürfte, reichlich Alkohol getrunken habe.

"Er bedauert den Vorfall zutiefst"

Sein Anwalt Ernst Schillhammer hat seit der Festnahme zweimal mit dem Mordverdächtigen gesprochen. "Er erzählt in den Einvernahmen alles, woran er sich erinnern kann. Er weicht den Fragen nicht aus. Er hat mit der Polizei kooperiert, ist konzentriert und nicht weinerlich. Er ist ruhig, höflich und kann sich gut ausdrücken", beschreibt der Verteidiger den 22-Jährigen. Es habe sich um einen Unfall gehandelt: "Er bedauert den Vorfall zutiefst".

Weitergehende Angaben zum Ablauf des Geschehens wären ihm nicht möglich, sagte Schillhammer im Gespräch mit der APA: "Ich habe noch keine Aktenabschrift erhalten."

Ein älterer Freund des jungen Mannes, dem dieser unmittelbar nach der Bluttat diese "gestanden" haben soll, widerspricht in einem Interview mit der Tageszeitung "Österreich" der Unfall-Version. Philipp K. sei "von Hass durchdrungen gewesen" und habe die Leichenteile seiner Ex-Freundin nur in den Müllcontainern "zwischenlagern" wollen, um sie später in Wald zu verbrennen, zitiert das Blatt den 37-Jährigen in der Montag-Ausgabe.

Die Staatsanwaltschaft ist durchaus zuversichtlich, diese Widersprüche im Verlauf des Ermittlungsverfahrens aufklären zu können. "Wir erhoffen uns vor allem vom bereits in Auftrag gegebenen Obduktionsgutachten Aufschlüsse darüber, was wirklich passiert ist", meinte Behördensprecherin Schnell.

Klar scheint, dass der mit der Gutachtenerstattung betraute Gerichtsmediziner zumindest feststellen kann, ob Stefanie P. wirklich nur mit einem Stich zu Tode gebracht wurde. Mit ziemlicher Sicherheit dürfte auch ein psychiatrisches Gutachten über den Geisteszustand des 22-Jährigen bestellt werden. Das Wiener Straflandesgericht wird spätestens am Dienstag über Philipp K. die U-Haft verhängen: Bei Mordverdacht ist diese obligatorisch.


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Großeinsatz für die Polizei in Wien-HietzingFoto © APA

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