280 von 320 Medizin-Studenten fielen durch
Für 87,5 Prozent gab es einen Fünfer im "Neuroanatomie, Physiologie und Histologie"-Test. Die Uni führt diese noch nie dagewesene hohe Durchfallsquote auf "Auswendiglernen" zurück.

Foto © APA280 der 320 angetretenen Studierenden haben die Prüfung nicht geschafft, 87,5 Prozent fielen durch.
So hatten sich die Medizin-Studenten die Ergebnisse der Prüfung nicht vorgestellt: Als jetzt die vorläufigen Ergebnisse des Multiple-Choice-Tests zum Thema "Neuroanatomie, Physiologie und Histologie" bekannt wurden, gab es lange Gesichter: 280 der 320 angetretenen Studierenden hatten die Prüfung nicht geschafft, 87,5 Prozent fielen durch. "Das ist eine Frechheit", ärgert sich Daniel Störkmüller. Unter den Studenten kursiert der Verdacht, die Anatomen hätten die Prüfung bewusst so "geschärft", damit sie künftig im Studienplan besser berücksichtigt werden. Motto: "In den wenigen Stunden können wir nicht so viel Stoff unterbringen."
"Das ist völliger Blödsinn", kontert Studien-Vizerektor Gilbert Reibnegger. Der Studienplan sei seit acht Jahren in Kraft.
Tatsächlich gab es in diesem sogenannten "Modul 5" (sozusagen der fünfte und vorletzte Teil des Vorklinikums) im letzten Jahr laut Störkmüller ganz andere Werte: Nur zwei Prozent fielen durch, 98 Prozent schafften die 60 gestellten Fragen. "Es ist ein Riesen-Stoffgebiet, und heuer wurden Fragen gestellt, die wir nicht im Entferntesten durchgemacht haben", sagt Störkmüller.
Reibnegger sieht ganz andere Gründe für das heurige desaströse Ergebnis: "Es stimmt, dass die Prüfung so schlecht ausgegangen ist. Aber das hat vor allem damit zu tun, dass es viele neue Fragen gegeben hat und dass alte Fragen modifiziert wurden. Viele haben offenbar die alten Fragen gelernt, und das ist ein Unding."
Bis im Vorjahr war es möglich, die Prüfungsfragen zu sammeln und sie dann den Studenten anzubieten. Das wurde weidlich ausgenützt: "Die Studenten lernten die Fragenkataloge. Ich habe es selber getestet: Wenn ich die Antworten umgestellt habe, wurden die Antworten der alten Prüfung angekreuzt", sagt Reibnegger. Begünstigt wurde dieses Auswendiglernen, weil die Prüfer die Fragen kaum änderten.
Doch die jüngste Uni-Gesetz-Novelle verhindert, dass die Fragen veröffentlicht und damit gesammelt werden können. "Wir haben das lange gefordert. Die Studierenden sollen ja nicht Fragenkataloge lernen, sondern den Stoff", betont Reibnegger. Jetzt habe es eben neue Fragen gegeben. "Solche Ausreißer können vorkommen."
Die Studierenden haben jetzt im Sommer zwei Chancen, die Prüfung positiv zu wiederholen. Gelingt das nicht, könnten sie ein Semester verlieren.











