Zivildiener zum Warten verurteilt
Zuweisungsstopp für Zivildiener bringt nicht nur Träger- organisationen wie das Rote Kreuz in die Bredouille. Junge Kärntner verlieren Monate, weil "ihre" Stelle plötzlich weg ist.

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Ab sofort gibt es einen Zuweisungsstopp für Zivildiener. Die Entscheidung wurde den Zivildiensteinrichtungen Ende Mai völlig überraschend mitgeteilt. Weil angeblich kein Geld mehr da ist, wird die Zivildienstservice-Agentur (eine Behörde des Innenministeriums) ab Juli nur noch eingeschränkt Zivis zuweisen. Will eine Organisation dennoch welche haben, muss sie diese vorerst selbst bezahlen.
Schlimm trifft es aber auch die Zivildienstpflichtigen, deren Lebensplanung über den Haufen geworfen wird. Die meisten wollen ihren Zivildienst direkt nach der Schulausbildung bzw. Matura und vor dem Studium absolvieren. Der Herbst ist dadurch der bevorzugte Antrittstermin.
Dass das Budget für Zivildiener für heuer schon erschöpft ist, stellt das Rote Kreuz in Kärnten vor große Probleme. "Ein Drittel unserer Mitarbeiter im Rettungsdienst und bei den Krankentransporten sind Zivildiener. Wenn wir diese nicht mehr bekommen, müssen wir Aushilfskräfte einstellen, die pro Person und Jahr 35.000 Euro kosten. Das wird unsere ohnehin angespannte finanzielle Situation noch mehr belasten", sagt Rot-Kreuz-Präsiden Peter Ambrozy. Die Probleme hätten schon im Vorjahr mit der Verkürzung des Zivildienstes begonnen. "Damals haben wir von 40 beantragten Zivildienern nur 19 bekommen."
Ausweglose Situation
Diese Entwicklung bringt das Rote Kreuz in eine fast ausweglose Situation. Denn die Aushilfskräfte, die man wegen des Ausfalls der Zivildiener anheuern muss, stammen zumeist aus dem Kreis der freiwilligen Helfer, die es auch nicht im Überfluss gibt. Eine Aktion mit dem Ziel, neue freiwillige Helfer für den Rettungsdienst zu gewinnen, hat nicht den erwarteten Erfolg gebracht.
Die Caritas ist vorerst mit einem blauen Auge davon gekommen. Für den "Einrückungstermin" Anfang August wurden der Organisation bereits 15 Zivildiener zugeteilt, deren Bezahlung gesichert ist. "Wir setzen die Zivildiener hauptsächlich bei der Obdachlosenbetreuung und im Transportbereich ein. Dafür haben wir heuer genug", ist Direktor Viktor Omelko zufrieden.
In den Alters- und Pflegeheimen erbringen die Zivildiener Zusatzleistungen, auf die man eventuell verzichten könnte. Omelko kann eines nicht verstehen: "Zivildiener und Soldaten erfüllen ihre staatsbürgerliche Pflicht. Die einen bekommen Geld dafür, die anderen nicht. Das widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz."
Bis dato hat sich das Innenministerium an den Kosten für jeden einzelnen Zivildiener mit 445 Euro pro Monat beteiligt. Diese Summe müsste die Caritas selber bezahlen, wenn es beim Zivildienergipfel am Dienstag in Wien zu keiner Einigung kommt.
Hilfskräfte am Hof
In der Landwirtschaft werden Zivildiener als Hilfskräfte auf unverschuldet in Not geratenen Bauernhöfen eingesetzt. Andreas Marko, Referent in der Landwirtschaftskammer, berichtet, dass das Kontingent für heuer gesichert ist: "Unser nächster Zuteilungstermin ist im September. Da bekommen wir acht Zivildiener, deren Bezahlung feststeht."
Für den Zivildienst werden nur Bauernsöhne mit landwirtschaftlicher Ausbildung und Traktorführerschein aufgenommen. Zusätzlich erhalten sie eine Ausbildung, die aus einem forstwirtschaftlichen Seminar in Ossiach und einem Melkkurs am Stiegerhof besteht. Marko: "Dabei geht es uns um die Betriebssicherheit, um Unfälle zu vermeiden."
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Fakten
Der Zivildienst-Streit soll am Dienstag einem Ende zugeführt werden. Vertreter des Innenministeriums treffen mit Repräsentanten von mehreren Trägerorganisationen - darunter Caritas und Rotes Kreuz - zusammen, um eine Lösung zu finden. Das Grundproblem: Träger bekommen ab Juli nur dann Zivildiener zugewiesen, wenn sie für deren Einsatz selbst finanziell aufkommen.

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