Ärger über hartherzige ÖBB
Immer mehr Jugendliche geraten in die Schwarzfahrer-Mühle der ÖBB. Häufig zu Unrecht. Aufklärung ist extrem schwierig.

Foto © APA
Als Christian Kern vor einer Woche neuer ÖBB-Chef wurde, schuf er zuallererst einer "Abteilung für Kundenzufriedenheit und Qualitätsmanagement". Schön und gut! Aber viele Kärntner wären schon zufrieden, wenn sie jemanden hätten, dem sie erklären können, warum die Schwarzfahrer-Strafe unberechtigt ist, die ein Inkasso-Büro für die ÖBB eintreiben will.
"Am 26. Dezember 2009 wollte mein Sohn Marvin mit Freunden von Lind ob Velden nach Klagenfurt fahren", sagt Karin Schuppe. "Aus dem Automaten kam keine Karte. Im Zug gingen sie zum Zugbegleiter, erklärten das und wollten ein Ticket bei ihm kaufen. Er sagte, auf Kurzstrecken gehe das nicht, und sie sollen sofort das erhöhte Schwarzfahrer-Entgelt von 60 Euro zahlen oder später 95 Euro per Zahlschein."
Ein Vater informierte die ÖBB über den Vorfall. Keine Reaktion. Als die 95 Euro nicht eingezahlt wurden, erhöhte sich die Forderung für alle auf 140 Euro.
Karin Schuppe und andere Eltern wollten das Problem klären. Telefonisch lief nichts, auf E-Mails gab es eine Empfangsbestätigung - und dann die Zahlungsaufforderung eines Inkassobüros über 256 Euro. "Ich weiß nicht, wie wir die Ungerechtigkeit noch stoppen können", so die Mutter.
Kein Einzelfall: Ein Vater berichtet, dass seine Tochter bei der Fahrt von St. Michael ob Bleiburg - dort ist kein Automat - das Ticket immer beim Zugbegleiter erhielt. Eines Tages gab er ihr den 95-Euro-Zahlschein. Erst Minuten später kam die Durchsage, man müsse die Tickets im Zugautomaten lösen. Wieder andere berichten, ihre Kinder hätten die Fahrkarte vergessen, der Schaffner habe den Ausweis sehen wollen, "um zu prüfen, ob du wirklich Schüler oder Lehrling bist", und in Kenntnis der Personendaten den Zahlschein ausgehändigt.
Viele Betroffene sehen darin Methode: bei Jugendlichen abzukassieren und als Zugbegleiter pro Schwarzfahrer knapp 15 Euro Prämie zu verdienen. Macht bei zwei Fällen pro Tag immerhin ein Zubrot von 600 Euro im Monat.
Christoph Posch, Pressesprecher der ÖBB Kärnten: "Wenn man 60 oder 95 Euro gezahlt hat und der Automat war kaputt, erhält man das zu viel gezahlte Geld zurück. Einsprüche müssen schriftlich erfolgen und von uns beantwortet werden, damit der Kunde weiß, woran er ist. Und die Prüfung, ob ein Schüler oder Lehrling ein an dem Tag gültiges Ticket hat, sollte nur 7 Euro Bearbeitungsgebühr kosten." Den Fall Lind ob Velden schaut er sich persönlich an.











