Beinharter Kampf gegen die Produkt-Piraterie
1000-Euro-Strafe für Plagiat-Käuferin in Jesolo soll abschrecken. Behörden bestrafen statt Verkäufern nun Käufer, um mediale Aufmerksamkeit zu generieren. Achtung bei Kauf ohne Beleg.

Foto © APANicht nur Uhren sind begehrte Waren in der Produktpiraterie - viele gängige Markenartikel werden gefälscht
Die wirtschaftspädagogische Brachialaktion hat gesessen! Weil sie in Jesolo eine nachgemachte Louis-Vitton-Börse gekauft hatte, sollte eine Österreicherin 1000 Euro Strafe zahlen. "Inzwischen haben die Vereinigungen der Hoteliers und der Kaufleute von Jesolo die Geldstrafe gezahlt", weiß Marco di Blas. Der Journalist weiß noch mehr: "Die Behörden denken ,Die Verkäufer zu bestrafen, hat wenig Sinn, denn die sind jeden Tag woanders und ersetzbar. Wenn wir die Kunden bestrafen, schreiben alle italienischen und ausländischen Zeitungen darüber und niemand kauft mehr von diesen Leuten'."
Das könnte klappen. "Vor drei Jahren musste eine Kärntnerin in Italien wegen einer gefälschten Rolex ein paar hundert Euro Strafe zahlen", erinnert sich Konsumentenschützerin Josefine Traunik von der Arbeiterkammer. "Danach gab es keine derartigen Anfragen mehr. Immer mehr Leute sind aufgeklärt und haben Angst vor riskanten Waren."
Die italienischen Anstrengungen machen Sinn! Produktpiraterie an den Stränden und in den Städten Italiens ist ein Multi-Milliarden-Geschäft, das Unternehmen, Einzelhändler, Arbeitnehmer und Steuerbehörden gleichermaßen schädigt. Die Verkäufer heißen "vu compras", eine Verballhornung ihrer Standardfrage "vuoi comprare?" - "Willst du kaufen?" Sie leben unter "menschenunwürdigen Bedingungen", sagt ein Mitarbeiter des Honorarkonsulats in Klagenfurt, der sich auskennt. "Die Händler breiten ihre Waren auf einer Decke aus, an jeder Ecke ist ein Seil, deren Enden sie in der Hand halten. Wenn ihnen der Aufpasser ein Zeichen gibt, ziehen sie ihr Tuch ein wie ein Fischer sein Netz und laufen weg."
Die Partnerschaft zwischen Mafia und organisierten Banden aus China funktionierte gut. Doch die Behörden bieten Paroli, kontrollieren Container in Häfen und Flugplätzen, vor Kurzem ein zollfreies Lager der Chinesen.
Der Konsulatsmitarbeiter: "Auch wer sich von einer Philippinin am Strand massieren lässt, hinterzieht die bei Dienstleistungen fällige Mehrwertsteuer." Sein für Italo-Fans ernüchternder Rat: "Vorsicht bei allem - außer Zeitungen und Büchern -, wofür man keinen Beleg erhält. Plagiate zu kaufen, ist kein Kavaliersdelikt."










