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Zuletzt aktualisiert: 04.06.2010 um 19:16 UhrKommentare

Massives Leck in Gaszuleitung als Ursache

Ein massives Leck in der Gaszuleitung hat die Explosion eines Wohnhauses im Süden St. Pöltens ausgelöst, durch die am Donnerstag in der Früh fünf Menschen ums Leben gekommen sind.

Foto © APA

Die Ursache für die Explosion eines Wohnhauses an der Ecke Munggenaststraße - Spratzerner Kirchenweg in St. Pölten Donnerstag früh scheint geklärt: Bei Grabungen sei in fer Gaszuleitung zu dem Objekt ein massives Leck festgestellt worden, sagte der Sachverständige Christian Tisch vom Bundeskriminalamt (BK). Ein Stromausfall am Mittwochabend dürfte in Zusammenhang mit dem Gasaustritt und der -explosion stehen. EVN-Technikexperte Peter Layr bestätigte gegenüber ORF Radio Niederösterreich das Vorhandensein eines Lecks, das man völlig unerwartet entdeckt habe.

Den Erhebungen zufolge war im Kreuzungsbereich der Gaszuleitung mit drei 20kV-Leitungen ein Kurzschluss aufgetreten. Ein Lichtbogen habe das darunter befindliche Gasrohr durchgebrannt, so Tisch am frühen Freitagabend. Es sei davon auszugehen, dass ab dem Stromausfall am Mittwochabend Gas ausgetreten ist, ehe es am Donnerstag kurz vor 8.00 Uhr zu der verheerenden Explosion kam, bei der fünf Menschen starben.

Untersuchungen und Grabungsarbeiten waren am Freitagabend laut Tisch weiterhin "in vollem Gang". Die defekte Stelle befand sich dem Sachverständigen zufolge etwa unter dem Gehsteig am Spratzerner Kirchenweg. Für die Explosion habe geringe Zündenergie gereicht. Bei weiteren Untersuchungen soll nun u.a. festgestellt werden, wodurch der Lichtbogen-Kurzschluss ausgelöst wurde.

Man sei vom Ermittlungsstand "sehr weit", merkte der St. Pöltner Staatsanwalt Karl Fischer an. "Für juristische Schlussfolgerungen" sei es aber noch "zu früh". Es gehe um die endgültige Ermittlung der Konkretursache und dann darum, ob jemanden ein Vorwurf zu machen ist.

Fotoserie: Gas-Explosion: Am Schauplatz St. Pölten

Zu dem Leck als möglicher Unglücksursache nahm am Freitag auch Peter Layr von der EVN gegenüber dem ORF-Radio Niederösterreich Stellung: Es ist so, dass es uns völlig unvorbereitet und unerwartet getroffen hat, denn es gab vorher weder eine Meldung von Gasgeruch noch eine Gebrechensmeldung an die Einsatzorganisationen wie EVN , Feuerwehr oder Polizei. Das Leck war bis heute bei Freilegung der Schadensstelle eigentlich für alle unerwartet und neu. Das Schadensbild (...) zeigt, dass es offenbar 20 Jahre nach Verlegung eines Gasanschlusses im Kreuzungsbereich dieses Hausanschlusses mit einem Hochleitungskabels zu einer undichten Stelle, einem Leck an der Gasleitung, gekommen ist." Man müsse aber nun untersuchen, wie der Schaden entstanden sei.

Unterdessen waren die Obduktionen der Opfer der Gasexplosion im Gang berichtete Alfred Schüller vom Landeskriminalamt NÖ. Bei zwei bereits abgeschlossenen Fällen stehe fest, dass die Opfer sofort tot gewesen seien - "durch massives Sturzgeschehen und durch Explosionseinwirkung".

Die Wucht der Explosion Donnerstag früh war so enorm, dass bei umliegenden Häusern Fensterstöcke und Türen herausgerissen und Dächer beschädigt wurden. In der Folge entstand ein massiver Brand, der erst am Freitag um 4.45 Uhr - knapp 21 Stunden nach der Detonation - endgültig gelöscht war. Die Polizei ging davon aus, dass es sich bei den geborgenen Toten um jene Personen handelte, die nach der Explosion als vermisst gegolten hatten. Darüber bestehe "kein Zweifel", sagte Schüller.

Zum Unglückszeitpunkt dürften sich demnach ein älteres Ehepaar, dessen Tochter, der nicht dort gemeldete Lebensgefährte der Frau sowie eine Enkeltochter im Haus befunden haben. Eine zweite Enkeltochter und ein weiteres Ehepaar, die ebenfalls an der Adresse gemeldet waren, sich aber außer Haus befanden, hatten ebenso Glück wie ein weiterer Besucher. Letzterer hatte das Objekt gegen 6.00 Uhr verlassen.

Die Obduktion der Leichen war ab Freitagnachmittag im Gang. Bei zwei vorerst abgeschlossenen Fällen stehe fest, dass die Opfer "durch massives Sturzgeschehen und durch Explosionseinwirkung" sofort tot gewesen seien, so Schüller.

Die Stadt St. Pölten hat unter dem Titel "Hilfe für die Opfer der St. Pöltner Gasexplosion" ein Spendenkonto (Nr. 918755) bei der Sparkasse NÖ Mitte-West (BLZ: 20256) eingerichtet, teilte Bürgermeister Matthias Stadler (S) mit. Außerdem lägen für jenes Ehepaar, das zum Zeitpunkt der Explosion nicht zu Hause, sondern auf Besuch bei Bekannten in Breitenfurt bei Wien war, Dutzende Wohnungsangebote vor.

Ebenfalls im Gang war die Schadensfeststellung. Von der Explosion seien auch etwa zehn bis 15 weitere Objekte betroffen gewesen, hieß es seitens des St. Pöltner Magistrats. Zur Höhe der entstandenen Schäden gab es vorerst keine Angaben.


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