Schutzwege als tödliche Falle
Tragödie in Villach wirft Frage auf: Wie sicher sind Zebrastreifen? Jeder fünfte tödliche Fußgängerunfall passiert auf einem Schutzweg. Experten mahnen Autofahrer zu mehr Rücksicht.

Foto © APAJeder fünfte tödliche Fußgängerunfall passiert auf einen Zebrastreifen. Verkehrsexperten fordern: Die Anhaltemoral der Autofahrer muss dringend besser werden
In Villach erinnern Blumen an den tragischen Unfall, der am Donnerstagmittag einer 82-jährigen Pensionistin das Leben kostete. Die Frau hatte völlig korrekt bei Grün einen Schutzweg überquert. Trotzdem wurde sie vor den Augen ihrer Tochter von einem Lkw überrollt und getötet. Der Kraftfahrer war rechts abgebogen und hatte die Frau übersehen. Laut Polizei war der Oberkärntner im Schritttempo unterwegs. Warum er sie trotzdem nicht bemerkte, ist ein Rätsel.
Sogar auf ampelgeregelte Zebrastreifen kann man sich nicht blindlings verlassen, ist eine traurige Erkenntnis, sagt Martin Kobald vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). "Eine besondere Risikoquelle stellen Lkw dar", zitiert Kobald das Ergebnis eines kürzlich abgehaltenen Expertentreffens. "Lkw haben einen riesigen toten Winkel. Da haben Lenker und Fußgänger kaum eine Chance zu reagieren."
Noch viel höher ist das Risiko auf Zebrastreifen ohne Ampeln. Eine aktuelle Untersuchung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zeigt, dass jeder fünfte tödliche Fußgängerunfall auf Schutzwegen passiert. Heuer sind bereits 32 tote Fußgänger zu beklagen, fünf davon allein in Kärnten. "Die schweren Schutzwegunfälle der vergangenen zwei Wochen waren leider keine statistischen Ausreißer", klagt VCÖ-Verkehrsexperte Martin Blum. "Die Verkehrssicherheit für Fußgänger ist in Österreich nicht genügend."
Der VCÖ möchte eine Bewussteinsbildungskampagne starten: Ein Fußgänger, der zu erkennen gibt, dass er den Zebrastreifen überqueren will, hat immer Vorrang! "In den letzten Jahren hat die Anhaltemoral vor Schutzwegen nachgelassen", sagt Blum. "Das hat zum einen mit mangelndem Bewusstsein zu tun, zum anderen damit, dass Telefonieren am Steuer zunimmt."
Blickkontakt suchen
Ins gleiche Horn stößt Kobald: "Schon in 30 km/h-Zonen bleiben wenig Autofahrer stehen, in 50 km/h-Zonen noch weniger." Der KfV-Experte sowie Adolf Winkler, Leiter der Kärntner Verkehrspolizei, mahnen aber nicht nur die Autofahrer zur Vorsicht, sondern auch Fußgänger. "Sie sollen Blickkontakt suchen, um vor Zebrastreifen ein Einvernehmen über die nächsten Schritte zu erzielen." Fußgänger müssen zum Beispiel abschätzen, ob der Autofahrer sie tatsächlich sieht.
Neben Bewusstseinsbildung fordern Experten mehr Kontrollen. "Jeder Beamte hat auf jedem Zebrastreifen das Verhalten von Autofahrern im Blick", betont Winkler. Die Polizei bringe immer wieder Autofahrer zur Anzeige, die Fußgänger ignorieren.
Schutzwege im Visier
Kobald lobt, dass die Landesregierung laufend evaluiert, ob ein Zebrastreifen noch sinnvoll ist: "Es werden regelmäßig Sichtverhältnisse, Beschilderung und Beleuchtung von Schutzwegen kontrolliert. Das sind entscheidende Faktoren für die Sicherheit." Gerade auch bei Zebrastreifen auf als gefährlich geltenden mehrspurigen Straßen. "Hier sind Autofahrer und Fußgänger besonders gefordert", sagt Kobald.











