Jugoslawien plante schon den Einmarsch
Österreichische Politiker verhinderten die Aufklärung der Bombenanschläge in den 1970er Jahren, ihre Namen könnten bald öffentlich bekannt werden. Jugoslawien plante bereits den Einmarsch in einen Nachbarstaat. Das zeigen bislang geheime Akten aus Jugoslawien.

Foto © EggenbergerAuch von den "Ortstafelstürmern" wurde niemand verurteilt, auch wenn ich Vorgehen illegal war
Zeit heilt angeblich alle Wunden. Aber sie hat auch ein verdammt gutes Gedächtnis! In den 1970er Jahren gab es den Ortstafelsturm der Deutschkärntner und Anschläge mit Slowenisch(-Kärntn)er Beteiligung. Die Taten wurden nie aufgeklärt.
"Was die Beteiligten angeht, gibt es jetzt konkrete Hinweise auf bestimmte verstorbene und lebende Personen", sagt der Historiker Alfred Elste. Bekannt ist, dass es um 13 Bombenanschläge im Unterkärntner Raum ging und dass beim schwersten auf das Heimatmuseum Völkermarkt zwei Attentäter und der Museumskustos verletzt wurden.
Die Tochter eines damaligen Ermittlers erinnert sich im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, dass ihr Vater einmal sehr empört war: "Er wollte die verwundeten Verdächtigen im Krankenhaus verhören. Aber am Eingang saß ein Bewacher und ließ ihn nicht zu den Tätern. Als mein Vater fortging, kamen ihm einige Männer entgegen, unter ihnen ein jugoslawischer Diplomat."
"Wohlwollend"
Historiker Elste kann bestätigen, dass die Ermittlungen von höchster Stelle verhindert wurden. "Der damalige Außenminister Willibald Pahr gab einem Vertreter des jugoslawischen militärischen Geheimdiensts Folgendes zu verstehen: ,Wir werden die Verfahren gegenüber den Slowenen wohlwollend im politischen Sinne behandeln'."
Doch warum kam Österreich Jugoslawien so weit entgegen? "Unsere Politiker wollten die Lage kalmieren, weil sie Angst vor dem Bedrohungsszenario eines Angriffs oder Einmarsches der jugoslawischen Armee hatten", erklärt Elste. Wie begründet diese Befürchtungen waren, belegen Unterlagen, die Elste in dieser Woche sichtete. "Die Jugoslawen haben sich auf den Tag X vorbereitet - für den Fall, dass Tito stirbt oder sich Jugoslawien im Krieg mit einem Nachbarstaat befindet. Österreich war nicht direkt genannt, aber Jugoslawien hat den Geheimdienst verstärkt und Planungen über einen Einmarsch angestellt."
Das jugoslawische Spionage-Pärchen in Kärnten wurde schließlich gegen zwei österreichische Spione ausgetauscht.
Landesarchivdirektor Wilhelm Wadl hat einen originellen Lösungsansatz für das Problem: "Diese Straftaten sind inzwischen verjährt, aber nach Jugoslawien wird auch Österreich die Quellen einmal freigeben müssen. Damit ist klar, dass einige Personen ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten werden. Ihnen allen ist anzuraten, von sich aus den Schritt in die Öffentlichkeit zu tun und ihr damaliges Handeln zu begründen." Das wäre spannend: Ein runder Tisch mit ehemaligen Ortstafelstürmern und Bombenattentätern . . .











