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Zuletzt aktualisiert: 21.05.2010 um 14:35 UhrKommentare

Der künstlichen Zelle immer näher

US-Genetikers Craig hat die erste Zelle vermeldet, die vollständig von einem künstlich hergestellten Erbgut gesteuert wird. Die Frage, ob man nun künstliches Leben geschaffen habe, möchte man an der An der Universität Wien weder mit Ja noch mit Nein beantworten.

Foto © APA

US-Gen-Forscher um Craig Venter haben ein Bakterium mit künstlichen Erbgutbausteinen geschaffen. Sie bauten das Erbgut eines Bakteriums mit einzelnen Erbgutstückchen nach und setzten dieses Kunstgenom dann in eine andere Bakterienart ein. Folge: Die so mit dem künstlichem Erbgut versehene Zelle produzierte alle Proteine, deren Baupläne in der DNA gespeichert waren. Die Forscher schufen damit eine Zelle, die von einem fremden Genom kontrolliert wurde. Sie sprechen von einer "synthetischen Zelle", obwohl nur das Erbgut künstlich geschaffen wurde.

"Ein weiter Weg"

Als "wesentlichen Schritt weiter in Richtung einer künstlichen Zelle" bezeichnet Michael Wagner, Professor für Mikrobielle Ökologie an der Universität Wien, die in der jüngsten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Science" veröffentlichte Arbeit des US-Genetikers. Dieser hatte die Schaffung der ersten Zelle vermeldet, die vollständig von einem künstlich hergestellten Erbgut (DNA) gesteuert wird. Bis zur Erzeugung einer künstlichen Zelle sei es aber "noch ein weiter Weg", so Wagner.

Prinzipiell seien die einzelnen Schritte des Ablaufs, den Venter in "Science" beschreibt, nichts absolut Neues, sagte Wagner. So sei es schon bisher möglich gewesen, DNA künstlich herzustellen. Auch der Transfer von Erbsubstanz von einem Mikroorganismus auf einen anderen sei bereits passiert. Nun haben die amerikanischen Wissenschafter aber den ganzen Weg auf einmal absolviert.

Die Frage, ob man nun künstliches Leben geschaffen habe, möchte der Wiener Forscher weder mit Ja noch mit Nein beantworten. Einerseits sei es richtig, dass das manipulierte Bakterium letztendlich ausschließlich mit der Information der künstlich erzeugten DNA arbeite. "Andererseits ist die erzeugte Erbsubstanz nichts wirklich Neues, sondern von der Natur abgeschaut", betonte Wagner. Anders ausgedrückt: Erst wird die DNA eines bestimmten Organismus aufgeschlüsselt und dann wieder künstlich nachgebaut.

Weiters sei eine Verarbeitung der künstlichen DNA ohne eine lebende Zelle als Initialzündung nicht möglich. Im Gegensatz zur Erzeugung der Erbsubstanz sei die Schaffung einer vollständig künstlichen Zelle unendlich komplexer.

Fortschritte erwartet

Dennoch erwartet Wagner durch die neuen Techniken große Fortschritte für die Forschung. So könnten nun DNA-Abfolgen praktisch nach Belieben gestaltet werden, durch entsprechende Veränderungen könnten weitere Feinheiten im molekularen Ablauf der Zelle erforscht werden. Durch die Möglichkeiten des Eingriffs könnte aber auch die Produktion von Substanzen etwa mittels Mikroorganismen eine neue Dimension erfahren.

Biotreibstoffe oder auch Impfstoffe mit ganz speziellen Eigenschaften könnten bis ins Detail maßgeschneidert werden.


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Bild vergrößernUS-Genetiker Craig VenterFoto © APA

Der Nutzen

Die Versuche sind ihnen zufolge ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Bakterien, die künftig Biokraftstoffe herstellen oder das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid beseitigen könnten. Auch bei der Produktion von Impfstoffen könnten die künstlich geschaffenen Bakterien eines Tages helfen, schreiben Venter und Kollegen.

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