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Zuletzt aktualisiert: 21.05.2010 um 20:54 UhrKommentare

"Seherin" arbeitete mit Heilstrick

"In Gottes Hand" gab sie das Geld, das sie über fast zwei Jahre hinweg mit ihrem Bruder und ihrem Mann gemeinsam ergaunerte. Eine "Seherin" im Bezirk Villach Land erschwindelte sich durch Weissagungen 500.000 Euro.

Foto © APA

Wie zerrüttet muss das Seelenleben einer Frau (46) sein, die binnen zwei Jahren einer selbst ernannten "Seherin" eine habe Million Euro anvertraut und dabei ihr ganzes Vermögen verliert? Diese Frage beschäftigt, wie ausführlich bericht, Ermittler des Kriminalreferates beim Bezirkspolizeikommando Villach-Land. Unter der Leitung von Abteilungsinspektor Paul Schnabl ersuchen die Krimleisten, Licht ins Dunkel eines Falles zu bringen, der in der jüngeren Kärntner Kriminalgeschichte ohne Beispiel dasteht.

Im Mittelpunkt steht eine 39-jährige Kärntnerin, auf welcher der Verdacht des schweren Betruges lastet. Bei Dutzenden Treffen soll die Frau - für sie gilt die Unschuldsvermutung - der 46-Jährigen weisgemacht haben, dass sie auf dem Heimweg "heilige Gegenstände wie Steine, ein Türschloss, einen dazugehörigen Schlüssel und anderes finden werde. Die Heilige Maria von Lourdes wolle, dass die Gutgläubige Glück und Frieden finde.

Alle "Prophezeiungen" traten ein. Allerdings nicht durch Übersinnlichkeit, sondern weil sie vom Gatten der Tatverdächtigen und dessen Bruder fein säuberlich irdisch an den späteren Fundstellen hinterlegt wurden. Die 46-Jährige soll nicht das einzige Opfer der "Seherin" sein.

Geld in Gottes Hand

Mehrere Personen sollen so stark an die Heilkraft der "Seherin" geglaubt haben, dass sie ihr höhere Geldbeträge zur Verwahrung übergaben. Als sie die Barschaft nach der Behandlung mit dem "heiligen Wasser aus Lourdes" wieder haben wollten, gab es nur eine Antwort. "Das Geld ist in Gottes Hand." Jetzt versuchen die Kriminalisten die Geldflüsse nachzuzeichnen. Eine sehr aufwendige Arbeit. Für Kurt Kurnig, Psychologe und Psychotherapeut bei der Arbeitsvereinigung der Sozialhilfe Kärnten (AVS), sind von unerfüllten Wünschen und Ängsten geplagte Mitbürger besonders gefährdet, Betrügern aufzusitzen. Dabei spiele die Heilserwartung eine große Rolle. "Es geht darum, Leere ins Plus zu drehen oder erlebtes Minus auf Null zu bringen", sagt Kurnig. Und weiter: "Psychische Zustände sind nicht objektivierbar. Wenn jemand erkennt, warum sein Gegenüber Angst vor der Angst hat, hat er ein leichtes Spiel." Hinweise: 059133-2250


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