Fall Kührer: Für den Richter war die Suppe zu dünn
Viele Indizien, aber keine Beweise: Im Fall Julia Kührer sind alle drei Verdächtigen wieder frei. Die Staatsanwaltschaft ist dennoch überzeugt, dass sie mehr wissen, als sie zugeben.

Foto © PolizeiSpurlos verschwunden: Julia Kührer
Nachdem bereits Dienstagabend der 21-jährige Martin K. auf freien Fuß gesetzt worden war, öffneten sich gestern auch für seine Schwester Tamara (27) und deren Ex-Freund Martin H. (26) die Gefängnistore. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hatte für das Drogenpärchen die U-Haft beantragt. Begründung: Verdunkelungsgefahr im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Julia Kührer und wegen diverser Drogendelikte. Doch dem Haftrichter reichten die Beweise nicht aus.
"Der Richter hat wörtlich gemeint, die Suppe ist zu dünn", sagt Johannes Ohlböck, Verteidiger des enthafteten 26-Jährigen. Bei Hausdurchsuchungen waren laut Bundeskriminalamt Gaspistolen und synthetische Drogen sichergestellt worden, darunter auch Tabletten mit der Wirkung von K.-o.-Tropfen. Die mutmaßlichen Besitzer allein deshalb in U-Haft zu nehmen, erschien dem Haftrichter unverhältnismäßig.
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Es bestehe nach wie vor der Verdacht, dass das Pärchen mit dem Verschwinden von Julia Kührer etwas zu tun habe, zumindest darüber etwas weiß, so Staatsanwalt Friedrich Köhl. Er gesteht aber ein: "Der Klärung des Falles Kührer ist man durch die Einvernahmen leider nicht nähergekommen."
Ausschlaggebend gewesen für die Verhaftungen war ein Telefonat, das Martin H. am 1. Mai dieses Jahres mit seiner Ex-Freundin Tamara K. geführt hatte. Das Gespräch wurde von den "Cold Case"-Ermittlern abgehört. Demnach habe der 26-Jährige erfahren, dass Julias Ex-Freund Thomas S. (21) neuerlich vernommen worden war. Am Telefon warnte Martin H. Tamara K.: Der Bursche habe "alle verpfiffen". Widersprüchliche Angaben
Die Verdächtigen bestreiten weiter jeden Kontakt zu Kührer. Doch wurden sie am 27. Juni 2006 gegen 14 Uhr am Hauptplatz von Pulkau gesehen - mit der damals 16-jährigen Julia. Auch das Handy von Martin H. war in der Gegend eingeloggt. Und Julia Kührers Handy wurde etwa 45 Minuten später am Sendestandort Horn registriert, wo in unmittelbarer Nachbarschaft die Großeltern des 26-Jährigen wohnen.
Auch wenn die zwingenden Beweise fehlen: Die Ermittler vermuten einen Zusammenhang zwischen den Drogengeschäften des Quartetts und Julias ungeklärtem Schicksal. Möglicherweise sollte die damals 16-Jährige ebenfalls als Komplizin gewonnen werden. Unter Umständen wusste sie zu viel.
Julias Eltern verfolgen die Medienberichte aufmerksam. Über den Stand der Ermittlungen seien sie aber nicht informiert, sagt Brigitte Kührer. "Man ist vermutlich ein Stück weitergekommen, aber unsere Tochter hat man noch nicht gefunden. Für uns ist jeder Hinweis ein kleiner Hoffnungsschimmer." Was die Verdächtigen betrifft, so ist sich Julias Mutter sicher: "Freunde von meiner Tochter waren das keine. Das hätte ich gewusst."











