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Zuletzt aktualisiert: 01.05.2010 um 15:00 UhrKommentare

Kärntens Hexen waren Männer

Forscher haben unbekannte Erkenntnisse über die Zeit der Hexenprozesse in Kärnten zutage gefördert. Die meisten Verfolgten waren Bettler. Richter wussten den Aberglauben aber auch für persönliche Interessen zu nutzen.

Foto © KLZ / Koscher

Es ist uns ein Anliegen, neue Erkenntnisse der historischen Forschung der Öffentlichkeit bekannt zu machen", sagte Claudia Fräss-Ehrfeld, Präsidentin des Geschichtsvereins für Kärnten, bei der Präsentation zweier Publikationen auf Schloss Maria Loretto in Klagenfurt. Dabei wandelte das Publikum nicht nur auf den Spuren des Grafen Zinzendorf, sondern ließ sich auch auf die Welt der Hexen ein.

Hexen- und Magieforschung war in Kärnten lange ein Stiefkind. Daher gebührt Gerhard Sarman, gebürtiger Klagenfurter Historiker und als Diakon in Penzing wirkend, besonderer Dank dafür, dass er jahrelang die Archive durchforstete und Unbekanntes über die Zeit der Hexenprozesse in Kärnten zutage förderte.

Biedere Frauen

Dabei springt allerhand Atypisches ins Auge. Beim ersten Hexenprozess 1493 in Bad St. Leonhard waren die drei Angeklagten biedere Bürgerfrauen. Man beschuldigte sie, einem Schlossherrn aus der Umgebung nach dem Leben zu trachten, indem sie Nägel in eine Wachspuppe steckten. Die drei Frauen gestanden übrigens noch einen weiteren Schadenzauber. Sie hätten Unwetter verursacht.

Waren diese Bürgerinnen sesshaft, so handelt es sich beim Gros der Beschuldigten in den Hexenprozessen um Bettler und Vagabunden - und um Männer! "Zehn Prozent der Bevölkerung der frühen Neuzeit waren Bettler. Sie wurden häufig mit Magie in Zusammenhang gebracht, weil man sie einfach loswerden wollte", erzählt Sarman. Um die Delinquenten zu überführen, scheute man nicht vor grausamer Folter zurück. So etwa zeigte sich das Landgericht Maria Saal 1689 einem Bettler namens Hans gegenüber nicht zimperlich. Hans, der etwa 30 Jahre alt war und selbst seinen Familiennamen nicht kannte, wurde in Ebenthal von einem Schmied gefragt, ob er zaubern könne. Hans wollte offenbar angeben und bejahte. Der Schmied meldete dies dem Maria Saaler Gericht. Hans wurde mehrfach verhört und gefoltert. "Unter der Tortur hat er alles gestanden", sagt Sarman, etwa dass er bei Hexenmahlzeiten dabei gewesen sei. Das Ende war blutig: Am 20. Juni 1689 wurde Hans geköpft, sein Körper anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Bettler, denen man - so Sarman - "alles Böse zutraute und zuschrieb", wussten ihre angeblichen magischen Kräfte aber auch durchaus dazu zu verwenden, Bauern, die sich wenig freigebig zeigten, unter Druck zu setzen. Da konnte schon einmal einer behaupten, Menschen oder Tieren Schaden zuzufügen, wenn er seinen Willen nicht durchsetzte. Ein Bettler namens Wastl agierte jahrelang auf diese Weise. "Letztlich kostete ihn sein Vorgehen aber das Leben", weiß Sarman. Wastl wurde in Wolfsberg geköpft.

Natürlich glaubte die Mehrzahl der Menschen ans Wettermachen und an den Hexensabbat. Die Gebildeten wussten den Aberglauben aber offenbar für persönliche Interessen zu nutzen, wie ein spektakulärer Prozess 1714 und 1715 in Maria Saal bezeugt. Der Landrichter lag im Clinch mit der Geistlichkeit. Also wurde kurzerhand eine Reihe von Untertanen verhaftet, die man dazu bewegen wollte, gegen vier missliebige Kleriker auszusagen und sie des Paktes mit dem Teufel zu bezichtigen.

Hütten als Zellen

Der Prozess zog sich in die Länge. Die Zahl der Inhaftierten war zeitweise so groß, dass sich der Gefängnisturm als zu klein erwies. So errichtete man eigene Holzhütten als Arrestzellen. Einige der Delinquenten starben bei der peinlichen Befragung, andere wurden - ebenfalls unüblich - nicht enthauptet, sondern erdrosselt. Sein Ziel, nämlich die Vernichtung der Kleriker, erreichte der Landrichter nicht.

ULRIKE GREINER

Zum Nachlesen

Geschichtsverein. Zwei spannende Publikationen hat der Geschichtsverein für Kärnten mit Präsidentin Claudia Fräss-Ehrfeld präsentiert.

Zauberisches. Heide Dienst (Hg.): Hexenforschung in den österreichischen Ländern, Wien 2009, Lit-Verlag

Gräfliches. Grete Klingenstein, Eva Faber, Antonio Trampus: Die Tagebücher des Gouverneurs Karl Graf Zinzendorf, 4 Bde., Wien 2009, Böhlau-Verlag

Reiselustiger Gouverneur

Karl Graf Zinzendorf (1739-1813) war Gouverneur von Triest. Auf seinen Reisen nach Wien kam er häufig nach Kärnten. Der Graf war ein eifriger Tagebuchschreiber. 60 Jahre hindurch füllte er täglich viele Seiten. Die Aufzeichnungen, die jetzt in französischer Sprache vorliegen, dokumentieren das gesellschaftliche und politische Leben. Zinzendorf sparte nicht mit persönlichen Kommentaren, was die vier Bände zur reizvollen Lektüre macht.

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