"Verantwortung" für Ölpest bei BP
Der britische Ölkonzern will sich um die "Beseitigung des Ölteppichs kümmern" - dessen erste Ausläufer haben aber die Küste von Louisiana erreicht - ein ökologisches und wirtschaftliches Desaster scheint jetzt unabwendbar.

Foto © APA
Der britische Ölkonzern BP hat die "volle Verantwortung" für die Ölpest vor der US-Küste übernommen. Eine BP-Sprecherin sagte am Freitag in New York, der Konzern werde sich um die Beseitigung des Ölteppichs kümmern. Außerdem komme der Konzern für "berechtigte Ansprüche" bei Schäden auf. Vergangene Woche war eine von BP betriebene Ölplattform im Golf von Mexiko gesunken, seitdem fließt unaufhörlich Öl aus.
Rennen gegen die Zeit
In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit haben die USA versucht, eine Öl-Pest beispiellosen Ausmaßes an ihrer Südküste doch noch zu verhindern. "Wir schaffen alles heran, um den Öl-Teppich zu bekämpfen", sagte Konteradmiralin Sally Brice-O'Hara von der Küstenwache. Erste Ausläufer des Teppichs, der sich nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko gebildet hat, erreichten die Küste von Louisiana, die für ihre Fischgründe und Rückzugsgebiete für Vögel berühmt ist. Experten erwarten Schäden in Milliarden-Höhe.
Bisherige Bemühungen, den Öl-Teppich zu stoppen, sind gescheitert. In einem verzweifelten Versuch, das Schlimmste zu verhindern, wurden Tausende Sperren ins Wasser gelassen. Präsident Barack Obama sicherte zu, alle notwendigen Schritte zur Eindämmung des Öl-Teppichs einzuleiten, der mittlerweile 193 Kilometer lang ist. Die Streitkräfte verstärkten ihre Abwehrmaßnahmen. Verteidigungsminister Robert Gates prüfte eine Anfrage aus Louisiana, den Einsatz von bis zu 6.000 Nationalgardisten zu bezahlen.
Auf dringende Bitte des Präsidenten sollten sich Heimatschutzministerin Janet Napolitano, Innenminister Ken Salazar und andere Regierungsmitglieder bei einem Überflug über das betroffene Seegebiet einen Eindruck verschaffen. Napolitano erklärte die Öl-Pest zu einer Angelegenheit von nationaler Bedeutung. Damit können Bundesmittel zur Unterstützung der Bundesstaaten mobilisiert werden. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal rief noch am Donnerstag den Notstand aus. Sein Kollege Charlie Crist aus Florida folgte am Freitag und verhängte über die als "Pfannengriff" (Panhandle) bekannten Bezirke im Nordwesten des Staates den Notstand.
Obama steht bei der Krisenbewältigung unter erheblichem Erwartungsdruck. Seinem Vorgänger George W. Bush war vorgeworfen worden, zu spät auf den Hurrikan "Katrina" reagiert zu haben, der das gleiche Gebiet 2005 verwüstet hatte. Auch Obamas Regierung wird vorgeworfen, zu spät auf die sich abzeichnende Katastrophe reagiert zu haben. Der Präsident bekräftigte, an der nationalen Förderung von Öl als Beitrag zur Energiesicherheit festzuhalten. Das müsse aber verantwortungsbewusst geschehen. Künftig würden Genehmigungen für Bohrungen vor der Küste nur erteilt, wenn die Sicherheit für Arbeiter und Umwelt gewährleistet seien. Zum Entsetzen vieler Anhänger hatte Obama erst kürzlich die Öl- und Gassuche in küstennahen Gewässern gebilligt, die nun erst einmal ausgesetzt wurde.
Neuer schwerer Schlag
Der Fischerei und dem Tourismus in der Region, die sich gerade erst von den Folgen "Katrinas" erholt haben, drohen schwere Schäden. Experten gehen davon aus, dass das Öl Umweltschäden anrichten wird, die nur schwer zu beseitigen sein werden. Die Küstengewässer und Sumpfgebiete im Golf von Mexiko sind Heimat zahlreicher Tierarten wie Seekühe, Delfine, Wale, Tümmler, Pelikanen sowie anderer Vögel. Im Golf gibt es zudem riesige Mengen an Meeresfrüchten wie Austern, Krabben Muscheln und Fische.
Die Energie-Experten der Agentur Fitch schätzen, dass allein die Eindämmung des Ölteppichs und die anschließende Säuberung drei Milliarden Dollar erreichen könnte. Der Analysten Neil McMahon von der Investmentfirma Bernstein rechnete zudem vor, dass in der Fischereiindustrie Schäden von 2,5 Milliarden Dollar und in der Tourismusbranche von drei Milliarden Dollar zu erwarten sind.
Features
Zum Thema
20. April 2010
Die Ölplattform "Deepwater Horizon" explodierte am 20. April rund 64 Kilometer vor der Küste. Dabei kamen elf Arbeiter ums Leben. Seitdem fließt unaufhörlich Öl ins Meer.











