"Quote ist nicht gut für Frauen"
Europa diskutiert über verpflichtende Frauenquoten in Aufsichtsräten. Spitzenbankerin Elisabeth Bleyleben-Koren lehnt sie ab - und sagt, was für Frauen wichtiger wäre.

Foto © Weichselbraun
I n Norwegen feiert man zwei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes die verpflichtende Frauenquote von 40 Prozent für Aufsichtsräte von börsennotierten Gesellschaften als Erfolg. Werden Sie nach Ihrem Abgang als Generaldirektorin der Erste Bank auch für mehr Weiblichkeit in Aufsichtsräten sorgen?
ELISABETH BLEYLEBEN-KOREN: Ich hab mir zwar noch keine großen Gedanken gemacht, was ich nach ab Juli machen werde, aber ich werde sicher keine Quote aufpolieren, ich bin eine entschiedene Gegnerin dieser Regelung. Eine Quote tut Frauen nichts Gutes!
Zu viel Männerwirtschaft ist - wie man an der Entwicklung der letzten Jahre sieht - auch nicht zwingend gut.
BLEYLEBEN-KOREN: Ich spreche jetzt nur für die Finanzbranche, aber da gibt es genug Frauen. Auch in der Führungsetage.
Laut einer Studie von Deloitte sind dort 55 Prozent der Beschäftigten Frauen, aber nur vier Prozent der Führungskräfte.
BLEYLEBEN-KOREN: Ich kenne die Studie nicht, aber bei uns ist es sicher ein Viertel der Führungskräfte.
Der Sukkus der Studie lautete: Eine Frau muss ein Mann sein, um Karriere zu machen. Wie oft waren Sie in Ihren 37 Berufsjahren ein Mann?
BLEYLEBEN-KOREN: Nie, aber ich glaube auch nicht, dass man das sein muss. Das ginge ziemlich sicher daneben. "Mann sein" würde bedeuten, einem Vorbild nachzueifern. Ich habe mich bemüht, ohne Kompromiss so zu sein, wie ich bin.
Ist das Ihr Karriere-Tipp an junge Frauen?
BLEYLEBEN-KOREN: Man soll ein Aufgabengebiet finden, das man mag und sich darin beweisen. Frauen sollten sich mehr zutrauen und gleichzeitig mit mehr Gelassenheit an die Sache gehen.
Sie stiegen vor 37 Jahren in den Beruf ein. Bei Ihrer Bewerbung bei der Wirtschaftskammer erklärte man Ihnen, Sie sollten heiraten und daheimbleiben. Wenngleich das heute niemand mehr sagen würde, bleibt die Frage nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
BLEYLEBEN-KOREN: Natürlich habe auch ich mich gefragt, ob ich das meinem Mann zumuten kann.
Weil er 20 Jahre älter ist und mit einer berufstätigen Frau ein Problem hätte?
BLEYLEBEN-KOREN: Das war nie das Thema, aber man muss sich darüber klar sein, dass Karriere auch Zeit kostet. Man muss manchmal am Sonntag arbeiten oder am Abend zu Terminen. Trotzdem rate ich jungen Frauen, die Babypause relativ kurz zu halten und wieder in den Beruf einzusteigen.
Das ist leichter gesagt als getan - überhaupt angesichts fehlender Betreuungsplätze für Kinder.
BLEYLEBEN-KOREN: Dass da etwas getan werden muss, steht außer Frage, aber wenn eine Frau Karriere als Anreiz sieht, muss ihr klar sein, dass eine zu große Pause ein Nachteil ist. Als ich zu arbeiten begann, war ich eine Ausnahme, keine Freundin hatte eine Mutter, die arbeitete. Heute haben wir für fast jede Stellenausschreibung mehr weibliche als männliche Bewerber. Es braucht noch seine Zeit, die tradierten Rollenbilder zu verändern, aber schön langsam passiert es.
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ZUR PERSON
Elisabeth Bleyleben-Koren (61) ist die Tochter von Stephan Koren, Finanzminister unter Josef Klaus. Ihr Bruder Stephan Koren jun. ist Vize-General der Bawag PSK.
Die Juristin begann 1973 in der Creditanstalt, seit 1977 ist sie bei der Erste Bank, seit 2008 Vorstandsvorsitzende des Leitinstituts der Sparkassen.










