Geisterstadt L'Aquila wird zum zweiten Pompeji
Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben ist die humanitäre Notstandslage bewältigt, doch der Wiederaufbau geht nur schleppend voran. Die Stadt in den Abruzzen kämpft gegen die Mafia, Korruption und das Leben in Holzhäusern.

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In der engen Fortebraccio-Gasse, der ältesten Straße L'Aquilas, türmen sich Stein und Geröll. Trümmer liegen vor den Überresten der 500 Jahre alten Gebäude, die einst Stolz der Abruzzen-Hauptstadt waren. Seit der verheerenden Nacht vom 6. April 2009, als die Erde 38 Sekunden lang bebte, hat sich im Stadtzentrum kaum etwas geändert. Beklemmende Stille liegt über der Geisterstadt, in der einst 30.000 Menschen, darunter 8.000 Universitätsstudenten, lebten. Ein Jahr ist seit der Schreckensnacht vergangen. Die Angst sitzt den Überlebenden noch immer in den Knochen.
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Blaue Städte: Die Notunterkünfte nach dem BebenFoto © Reuters
Am 6. April vor einem Jahr bebte um 3.32 Uhr in der mittelitalienischen Region Abruzzen, etwa 95 Kilometer nordöstlich von Rom, die Erde. Das Hauptbeben hatte eine Stärke von 5,8 auf der Richterskala. Zahlreiche Nachbeben erschwerten die Bergungsarbeiten. Die Zahl der Toten belief sich nach offiziellen Angaben auf 308. 1.600 Menschen erlitten Verletzungen.
Den Winter gemeistert
65.000 Personen verloren das Dach über dem Kopf. Diese Obdachlosen wurden in Zeltstädten und Hotels an der Adriaküste untergebracht. 15.000 Gebäude trugen Schäden davon, 10.000 allein in der Regionalhauptstadt L'Aquila nahe dem Epizentrum. Die Ortschaft Onna, ein Dorf mit 400 Einwohnern acht Kilometer östlich von L'Aquila, wurde dem Erdboden gleich gemacht. 40 Menschen kamen dort ums Leben.
Ein Jahr nach dieser Schicksalsnacht ist man sich in L'Aquila darüber einig, dass die Notlage unmittelbar nach dem Beben gut gemeistert wurde. Die Zeltlager für die Obdachlosen wurden rechtzeitig vor dem Wintereinbruch abgetragen - schließlich ist das auf 800 Meter Höhe liegende L'Aquila die kälteste Stadt Italiens.
Leben in Holzhäusern
Das Leben geht in Holzhäusern weiter. 17.000 Menschen wurden in diesen modernen Wohnblocks untergebracht, die sich wie ein Kranz um die Altstadt schmiegen. 19 Satellitenstädte wurden rund um L'Aquila errichtet. 4.500 Wohnungen, die den modernsten Erdbeben-Sicherheitsstandards entsprechen, sind bereits fertiggestellt und an Familien übergegeben worden. 27.316 Menschen erhalten staatliche Hilfe in Höhe von 800 Euro, um sich außerhalb L'Aquilas eine Wohnung zu mieten. Fast 5.000 Personen leben in Hotels an der 150 Kilometer entfernten Adria-Küste.
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Inszenierung und G8-Gipfel: Silvio Berlusconi wusste die Katastrophe medienwirksam zu nutzenFoto © Reuters
Inszenierung und G8-Gipfel: Silvio Berlusconi wusste die Katastrophe medienwirksam zu nutzenGrafik © Reuters
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Zahlreiche Kunstschätze müssen noch geborgen und restauriert werdenFoto © Reuters











