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Zuletzt aktualisiert: 18.03.2010 um 21:32 UhrKommentare

"Es geht allen ums Geld"

Die Biologin Daniela Freyer nimmt für Pro Wildlife an der Konferenz in Doha teil. Sie kritisiert auch die Haltung der EU.

In der ersten Woche der Artenschutzkonferenz sind fast alle Anträge zum Schutz von Eisbär & Co. abgeschmettert worden. Sind die Versuche, das Überleben bedrohter Tiere zu sichern, gescheitert?

DANIELA FREYER: So weit möchte ich noch nicht gehen, hier in Doha steht eine zweite Verhandlungswoche bevor. Doch dass der Antrag für ein Verbot des Handels mit Eisbären, Fellen und anderen Jagdtrophäen abgelehnt wurde, ist ein herber Rückschlag für den Artenschutz - und für die Tiere. Die Jagd für den kommerziellen Handel, vor allem nach Japan und Europa, verschärft die Lage der Eisbären dramatisch; die Tiere sind ohnehin durch den Klimawandel akut bedroht.

Über welche Tierarten wird derzeit verhandelt?

FREYER: Es gibt Anträge zum Schutz von acht Haiarten, des Roten Thunfischs und Korallen. Vor allem für den Thunfisch sieht es sehr schlecht aus. Hier gibt es wirklich sehr massiven Widerstand der Fischerei-Industrie. Offensichtlich will man am Beispiel des Thunfisches stellvertretend für alle kommerziell genutzten Fischarten Schutzmaßnahmen abwehren. Speerspitze ist Japan, aber auch Libyen, der Sudan und Chile. Es geht allen ums Geld.

Sind die Europäer die besseren Naturschützer?

FREYER: Sicher nicht. Die Europäische Union verhält sich sehr widersprüchlich. Sie unterstützt einerseits ein Thunfisch-Fangverbot, will es aber zugleich an Bedingungen knüpfen. Immerhin ist die EU der größte Exporteur von Rotem Thunfisch. Was das Scheitern des Antrags zum Eisbärenschutz anlangt - das geht eindeutig aufs Konto der EU. Vor allem Dänemark blockiert, im Namen Grönlands. Bei den Elefanten spielt unter anderem auch Österreich eine negative Rolle. Hier sind es die politischen Positionen einzelner Verhandler, die darauf abzielen, dass Elfenbein künftig wieder verkauft werden darf.

Sind Wildtiere ein Industriezweig geworden?

FREYER: Es ist traurig, aber wahr. Nicht umsonst sprechen manche hier von "wildtierproduzierenden Ländern".

INTERVIEW: NINA KOREN


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