Missbrauch in Grazer Kapuziner-Heim
Ex-Zöglinge belasten Pater, der in Grazer Heim Erzieher war und jetzt in einem Kloster lebt. Auch in der Obersteiermark gibt es einen Fall: Pfarrer trotz Haftstrafe wieder eingesetzt.

Foto © KanizajMissbrauchsvorwurf nun auch in Graz
Ein Internat ist es schon lange nicht mehr, das schönbrunngelbe Haus in der Heinrichstraße 145 in Graz. Die Schrift "Kapuziner-Seminar St. Lorenzheim" erinnert noch daran. Ehemalige Zöglinge erheben nun gegen einen früheren Pater dieses Hauses den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs.
Die Vorgänge liegen lange zurück und betreffen die Jahre 1960 bis 1967. Im Heim des Kapuzinerordens wohnten rund 40 Kinder, die das Akademische Gymnasium besuchten. Die Nacht verbrachten die Zehn- bis 18-Jährigen in einem Schlafsaal. Das mutmaßliche Opfer war damals zehn Jahre alt und vertraute sich älteren Zöglingen an. Der Pater soll nachts an sein Bett gekommen sein, ihn mit der Hand unsittlich berührt haben.
Die Älteren waren nicht feig. "Wir beschlossen, unsere Beobachtungen dem Leiter des Heimes zu melden", berichtet ein Zeuge von damals. "Ich habe meine Aufzeichnungen sogar noch", sagt ein anderer, der Tagebuch geführt hat. Die Reaktion des Pater Rektor aber war, "wir sollten uns einmal beruhigen, er selbst werde die Vorgänge an den Ordenoberen in Wien melden. Es geschah nichts."
Stattdessen bekamen die Zöglinge seltsame Erklärungen dafür zu hören, warum sich der Erzieher nachts vor den Buben hinkniet: Er müsse nachsehen, ob sie nicht in das Bett genässt hätten.
Der Provinzial der Kapuziner sitzt mittlerweile in Innsbruck. Bruder Radoslaw Celewicz, ein gebürtiger Pole, der erst vor Kurzem zu Missbrauchsfällen in der Tiroler "Bubenburg" Stellung bezogen hat, will versuchen, anhand des Archivs Licht in den Fall zu bringen. "Sollte ein Unrecht passiert sein, gehört es aufbereitet", sagt er der Kleinen Zeitung. Der beschuldigte Bruder lebt indes seit vielen Jahren in einem steirischen Kapuzinerkloster und kennt den Vorwurf gegen sich: "Aber ich habe nichts getan", streitet er diesen ab. Zwar habe auch er damals von einem Missbrauch gehört, der betreffende Mitbruder sei aber bereits gestorben. Und dann sagt er noch: "Ein Bub selber wollte einmal so etwas anfangen."
Trotz Haft wieder Pfarrer
Ruft man in einer kleinen obersteirischen Gemeinde im Pfarramt an, läuft dort derzeit ein Band: "Ich bin in der nächsten Zeit nicht erreichbar", sagt der Pfarrer. Warum, sagt er nicht. Tatsache ist, dass die Diözese Graz-Seckau die Möglichkeit seiner Dienstfreistellung prüft. Denn der Pfarrer wurde vor Jahren wegen Kindesmissbrauchs in einer anderen Pfarre verurteilt, saß deswegen auch im Gefängnis. Trotzdem durfte er danach wieder als Pfarrer einer Gemeinde tätig sein. Und somit in Kontakt mit Kindern kommen.
"Es hat unseres Wissens bei diesem wie auch bei zwei anderen Pfarrern, deren Dienstfreistellung wir jetzt prüfen, seither keine Vorfälle mehr gegeben", sagt Georg Plank, der Sprecher der Diözese Graz-Seckau. Er verweist auf die Aussagen von Altbischof Johann Weber im "Standard", wonach man damals zu wenig auf die Opfer geschaut habe. Und dass es Vertuschungen in der Kirche gegeben habe.
Was mit dem Pfarrer aus der Obersteiermark und den beiden anderen geschieht, wird laut Plank in den nächsten Tagen bekannt gegeben. Erst wolle man aber die betreffenden Pfarrgemeinden informieren.
Die Diözese Graz-Seckau hat laut Plank einen fünfköpfigen Krisenstab eingerichtet, der sich mit den sich häufenden Missbrauchsvorwürfen auseinandersetzt. Auch bearbeitet eine weitere Gruppe von zehn Leuten die Anrufe und E-Mails an die Diözese zu diesem Thema.
Auch angesichts des starken Anstiegs an Kirchenaustritten ist die Diözese um Transparenz bemüht. Gibt es wegen dieser neuen Offenheit viele Widerstände innerhalb der Kirche? "Ich glaube, die große Mehrheit empfindet es als befreiend", sagt Plank. "Die neuen Leitlinien der Bischofskonferenz im Umgang mit Missbrauch sind ein Paradigmenwechsel."
Der Umgang mit den Opfern sei jetzt vorrangig, so Plank. Er sagt aber auch: "Im Umgang mit Tätern dürfen wir nicht von einer Bagatellisierung in eine Hysterisierung verfallen."
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Hotline
Opfer können sich an die Ombudsstelle der Diözese unter (0 676) 87 42 68 99 wenden.











