Hilfe für die Opfer von Missbrauch
Schon 1995 wurde in der Diözese eine Ombudsstelle für die Betroffenen von Gewalt und Missbrauch im kirchlichen Bereich eingerichtet.

Foto © Scheriau
Seit 1995 gibt es bei der Diözese Gurk-Klagenfurt eine Ombudsstelle für Missbrauchsopfer im kirchlichen Bereich. Die Psychotherapeutin Jutta Menschik-Bendele fungiert gemeinsam mit dem Priester Matthias Hribernik als Vorsitzende. Seit der Gründung haben sich sechs Opfer an die Ombudsstelle gewandt. Die Täter waren vier Priester und zwei kirchliche Angestellte.
Im Rahmen der aktuellen Aufdeckungswelle haben sich zwei "neue" Opfer an die Ombudsstelle gewandt. Die Fälle werden derzeit geprüft. Ziel der Institution ist es, Missbrauchsopfer zu beraten und die Taten aufzuarbeiten. Das ist allerdings nicht im Sinn von Wiedergutmachungszahlungen zu verstehen. Vielmehr werden psychotherapeutische Behandlungen vermittelt und bezahlt.
Niedrige Schwelle
Menschik-Bendele ist überzeugt, dass es im kirchlichen Bereich nicht mehr Missbrauchsfälle gibt als in anderen Gesellschaftsbereichen, aber: "In der Kirche sind solche Fälle besonders empörend, weil sie sich als Ort der Moral und der Menschenliebe sieht."
Die Ombudsstelle ist unter der E-Mail-Adresse ombudsstelle@kath-kirche-kaernten.at zu erreichen oder über die Telefonzentrale des Ordinariats der Diözese (0463/577770). Hotline gibt es derzeit keine. Man berät aber aktuell darüber, wie man die Einstiegsschwelle möglichst niedrig halten kann.
Menschik-Bendele betont, dass der Missbrauch für die Opfer "ständig gegenwärtig" ist, auch wenn er schon Jahre zurückliegt: "Es braucht nur ein bestimmtes Geräusch, einen markanten Geruch oder ein spezifisches Bild - und schon hat das Opfer den Missbrauch wieder aktuell vor Augen."
Tiefe Solidarität nötig
Deshalb muss die Psychotherapie dem Opfer helfen, mit dem Erlebten abzuschließen: "Man hilft dem Missbrauchten die Gefühle zuzuordnen, zwischen Recht und Unrecht, Vergangenheit und Gegenwart zu sortieren, anzuschauen, wo die guten Kräfte sind." Betroffene brauchen eine "tiefe Solidarität, brauchen Ermunterung, um das Geschehene aufzuarbeiten".
Sie müssten begreifen lernen, dass sie nicht Nestbeschmutzer sind, nicht Lügner oder Verräter, sondern Opfer fehlgeleiteten Verhaltens. Menschik-Bendele: "Dem Betroffenen muss vermittelt werden, dass es nicht gilt, eine Schande zu ertragen, sondern eine Chance zu nutzen."
Gestern hat auch das Land Kärnten angekündigt, eine Ombudsstelle für Missbrauchsopfer einrichten zu wollen. Beide Institutionen wollen eng zusammenarbeiten.










