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Zuletzt aktualisiert: 03.03.2010 um 05:10 UhrKommentare

Dem Leichtsinn auf der Spur

Experten untersuchen Ursache des Lawinenabganges im Gailtal, das am Wochenende ein Todesopfer forderte.

Foto © KLZ/Kimeswenger

Schon beim Anflug im Polizeihubschrauber "Libelle" auf den Polinik im Plöckengebiet hoch über Kötschach-Mauthen wird klar: Die Schneemengen, welche heuer Kärntens Berge umhüllen und optisch zu einem Wintermärchen werden lassen, sind gewaltig. "Vier, fünf Meter sind keine Seltenheit", stellt Willi Ertl, Leiter des Lawinenwarndienstes in der Landesregierung klar. Im Winterhalbjahr erstellt er jeden Tag den Warnbericht, gräbt pro Saison an die 50 Schneeprofile und ist der Mann, auf dessen Fachwissen Liftbetreiber und Schifahrer vertrauen. Mit Heribert Patterer, Einsatzleiter der alpinen Einsatzgruppe im Bezirkspolizeikommando Hermagor und Klaus Hohenwarter, stellvertretender Leiter der Bergrettungs-Ortsstelle Kötschach-Mauthen, will Ertl an der Abrissstelle (2153 Meter Seehöhe) der Lawine den "genetischen Abdruck" des weißen Todes ergründen. Wie berichtet, hat diese Lawine am vergangenen Wochenende einem 33-jährigen Schitourengeher aus Triest das Leben gekostet.

Einsatzpilot Stefan Pichler setzt, eingewiesen von Flugretter und Alpinpolizist Erwin Warmuth, den Helikopter auf einem schmalen eingeschneiten Felsvorsprung auf. So, dass nur die Hälfte der beiden Kurven Bodenkontakt hat. Schnelles Aussteigen ist angesagt. Pichler leistet Millimeterarbeit hoch professionell. Er fliegt im Sechser Pilotenteam der Flugeinsatzstelle Klagenfurt, die mit Hans Schausberger einen der erfahrensten - und auch erfolgreichsten "Retter der Lüfte" - am Kommandostand hat. Während der Helikopter abhebt und zum nächsten Einsatz, einem Lawinenabgang im Glocknergebiet, weiterfliegt, beginnen Ertl, Patterer und Hohenwarter am Berg mit ihrer Arbeit.

Ursachenforschung

2,85 Meter sind es von der Abrisskante bis zum Felsgrund. Schneeschichten werden sichtbar und vermessen, Schneekristalle mit der Lupe untersucht und bestimmt, die Hangneigung, fast 50 Grad bestimmt. "Wir hatten lange keinen Schnee, dann ist er gefallen und es folgte eine lange Kälteperiode. Die Schneedecke hatte nie die Möglichkeit, sich richtig zu verfestigen. Und so wird es wohl bis zum Einsetzen der großen Schmelze bleiben. Ich glaube nicht, dass die Lawinengefahr entscheidend abnehmen wird", analysiert Ertl. Was den Fachmann, den Alpinpolizisten und den Bergretter besonders betroffen macht. "Der Leichtsinn, mit dem speziell heuer viele Schifahrer Tiefschneehänge befahren, ist einfach nicht mehr nachvollziehbar. Obwohl wir seit Wochen die Öffentlichkeit massiv zu sensibilisieren versuchen, scheint vieles einfach ungehört zu verhallen."

Da taucht im Bereich des sechs bis sieben Meter hohen Lawinenkegels ein einsamer Tourengeher auf. Unter den scharfen Blicken eines Adlers, der majestätisch am sonnendurchfluteten Himmel kreist, strebt der Mann Richtung Gipfel und fährt später ins Tal ab - zum Glück ohne Lawinenauslösung.

PETER KIMESWENGER

Foto

Foto © KLZ/Kimeswenger

Foto © KLZ/Kimeswenger

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