Österreicher vertrauen der Polizei mehr als der Politik
Eine repräsentative Studie des Magazin Reader's Digest will aufzeigen, worin Österreicher Sicherheit suchen: Die Bevölkerung baut wenig auf Kirche und EU, die Ehe bleibt trotz enormer Scheidungsraten ein sicherer Hafen.

Foto © Erwin ScheriauIm Blitzlicht, aber nicht unbedingt im Vertrauen des Volks...: Politiker
Während das Vertrauen in Politik und Wirtschaft unter der Finanzkrise leidet, genießen Institutionen wie Polizei, Justiz, Öffentlicher Dienst, aber auch der Umweltschutz großes Vertrauen bei den Österreichern. Dies belegt eine repräsentative Studie des Magazin Reader's Digest. Kirche, Bundesregierung und Europäische Union verzeichnen dagegen über mehrere Jahre hinweg deutliche Vertrauensverluste.
Ehe nach wie vor ein Thema
Zwar musste die Institution der Ehe auch Vertrauenseinbußen verkraften, bleibt aber ein sicherer Hafen in Österreich: Der Vertrauenswert der offiziell besiegelten Zweisamkeit bewegt sich mit 73 Prozent im europäischem Spitzenfeld, so die aktuelle Studie. Reader's Digest ermittelte die vertrauenswürdigsten Institutionen und Marken in 16 europäischen Ländern. Allein in Österreich beteiligten sich mehr als 900 Konsumenten.
78 Prozent der Befragten haben der Polizei 2010 ihr Vertrauen ausgesprochen - dies sind sogar zwei Prozentpunkte mehr als im Jahr 2003, als die Studie erstmals in Österreich durchgeführt wurde. Die Kirche verzeichnete in diesem Sieben-Jahres-Zeitraum einen moderaten Rückgang ihres Vertrauenswerts von 40 Prozent auf 37 Prozent.
Das Vertrauen der Österreicher in ihre Bundesregierung und die Europäische Union ist hingegen über die Jahre deutlich zurückgegangen. 2003 kam die EU noch auf einen Vertrauenswert von 43 Prozent, heute sind es 29 Prozent. Ähnlich die Entwicklung bei der Bundesregierung: Ihr Vertrauenswert beläuft sich 2010 auf 21 Prozent gegenüber 30 Prozent im Jahr 2003. Selbst das Internet, dessen Inhalte bekanntlich nur bedingt verlässlich sind, genießt mit einem Wert von 34 Prozent mehr Vertrauen. Auch die Banken können sich mit 36 Prozent besser in der Vertrauensrangliste platzieren.
Mit Vertrauenswerten von zwölf Prozent bzw. sieben Prozent landen Werbung und Politik einmal mehr auf den beiden letzten Plätzen. Wobei der vorletzte Platz für die Werbung im Vertrauensranking nichts daran ändert, dass Österreichs vertrauenswürdigste Marken u. a. erfolgreich auf der Klaviatur der Werbung spielen, um so selbst das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen und zu erhalten. Die Liste mit Österreichs vertrauenswürdigsten Marken, ermittelt im Rahmen der Studie "Reader's Digest European Trusted Brands 2010", ist bereits vor wenigen Tagen veröffentlicht worden.
Presse mit guten Werten
Die österreichische Presse kann sich sogar entgegen des sonstigen Trends in Europa über etwas mehr Vertrauen der Österreicher freuen als vor sieben Jahren: Der Prozentsatz der Befragten, die den Printmedien ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen aussprachen, erhöhte sich leicht von 41 Prozent auf 42 Prozent. Fernsehen und Radio verloren bei der Umfrage allerdings und erreichten 2010 einen Wert von 53 Prozent - 13 Prozentpunkte weniger als vor sieben Jahren. Verglichen mit ihren europäischen Kollegen kamen die österreichischen Fernseh- und Radiomacher jedoch immer noch glimpflich davon. Im Schnitt weist die in 16 europäischen Ländern durchgeführte Studie für Fernsehen und Radio einen Vertrauensrückgang von 62 Prozent auf 25 Prozent aus.
Interessant ist auch ein Blick auf den Rang jener Institutionen in der Liste, deren Vertrauenswert noch nicht so lange erhoben wird. Das Thema Umweltschutz steht bei den Österreichern weit oben auf der Agenda: 65 Prozent bringen Umweltschützern Vertrauen entgegen - das ist ein europäischer Spitzenwert in der 16 Länder umfassenden Studie. Auch der Öffentliche Dienst erzielt in Österreich einen europaweiten Spitzenwert, nämlich 50 Prozent. Der europäische Durchschnitt für das Vertrauen in den Öffentlichen Dienst liegt bei 33 Prozent.











