Einzelzimmer in Pflegeheimen rarer
Weil die Betreuten künftig 150 Euro für Einzelzimmer selbst dazu zahlen müssen, gibt es Sorge, dass die Zahl der Einzelzimmer abnimmt. Debatte über die Qualität.

Foto © APVon den 4200 Betreuten in den Kärntner Pflegeheimen sind derzeit 800 in Einzelzimmer untergebracht
Das, was FPK und ÖVP zuletzt am grünen Tisch in der Landesregierung beschlossen haben, müssen jetzt die Betreiber von Pflegeheimen in Kärnten in die Tat umsetzen: Nämlich jenen Betreuten, die ein Einbettzimmer haben, ab 1. März die Zahlung des Zuschlages von 150 Euro im Monat vorzuschreiben. Seit 2008 zahlte das Land einen Zuschlag von 100 Euro an die Betreiber. "Da wollten natürlich alle Leute ein Einbettzimmer, wir hatten Probleme die Zweibettzimmer zu belegen", berichtet Hubert Stotter, Rektor der evangelischen Diakonie. Die hat in Kärnten an fünf Standorten Pflegeheime mit insgesamt 305 Betten. In Waiern, Klagenfurt und Maria Gail wurde so (um-)gebaut, dass die letzte Heimverordnung erfüllt wird: mit 80 Prozent Einbett- und 20 Prozent Zweibettzimmern.
Siegfried Jost aus der Sozialabteilung des Landes verweist darauf, dass von den kärntenweit 4200 Pflegeheimbewohnern 800 in Einbettzimmern sind. Experten fürchten mit der neuen Regelung der Selbstzahlung, dass sich die Zahl der Einbettzimmer stark reduzieren wird. Denn das Land setzt den Sparstift an. Soziallandesrat Christian Ragger verweist zwar auf einen Fonds für Sonderfälle, aus dem die 150 Euro bezahlt würden. Damit das Land nicht zu viel dazuzahlen muss, werde es in der Praxis wohl dazu kommen, dass in Einbettzimmer (18 Quadratmeter) ein zweites Bett eingeschoben wird, befüchten manche. In Kärnten sind nur knapp zehn Prozent der Pflegeheimbewohner Selbstzahler, bei allen anderen reichen Pension und Pflegegeld nicht, das Land muss dazuzahlen, den Betreuten bleibt ein Taschengeld. Ob davon die 150 Euro gezahlt werden oder Angehöre es tun, bleibt offen.
Schwarze Schafe unter den Heimbetreibern, die bereits jetzt ein zweites Bett einschieben und so auch die 50-Betten-Obergrenze in neuen Heimen unterwandern, soll es geben, ist zu hören. Auch solche, die die Zimmer gleich für den Einschub eines zweiten Bettes ausrichteten.
Qualitätsverlust
Stotter warnt: Eine Tendenz in diese Richtung würde Qualitätsverlust bedeutet. "Wir sind einige Betreiber, die das nicht wollen."
Auf der finanziellen Seite hat die Erhöhung auf 150 Euro für die Heimbetreiber wenig Auswirkungen. "Wenn die Heimverordnung mit allen Vorgaben des Landes wirklich umgesetzt wird, ist das nicht kostendeckend zu schaffen", so Stotter. Der Sockelbetrag, den das Land pro Bett den Betreibern zahlt, reiche trotz Erhöhung nicht aus. Die Diakonie schreibe für die 305 Pflegebetten einen jährlichen Abgang von über 500.000 Euro. An den Qualitätsstandards dürfe dennoch nicht gerüttelt wird, mahnt er.
Einzelzimmer sind gefragt, weil die Bewohner Privatsphäre wollen, teils sind sie aus medizinischen Gründen notwendig: Bei Demenz oder wenn es großen Pflegebedarf gibt. Seltener ist, dass jemand etwa wegen Ängsten in ein Zweibettzimmer will.
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Wenn ein Einbettzimmer aus medizinischen Gründen notwendig war, zahlte das Land immer schon den Zuschlag dazu.
Laut Sozialreferent Ragger ist die neue Regelung notwendig, um Ungerechtigkeit zu beenden. Jene in Einbettzimmern waren bisher bevorteilt, viele andere wollten diese Variante auch.











