Über 100 Missbrauchsfälle an katholischen Schulen
Einige der Opfer haben bereits den Wunsch nach finanzieller Entschädigung geäußert. "Eine Entschuldigung reicht uns nicht", so eine Anwältin.

Foto © APEine der betroffenen Schulen: das Canisius-Kolleg in Berlin
Im Missbrauchsskandal an Jesuiten-Kollegs und anderen katholischen Schulen in Deutschland schnellt die Zahl der Opfer in die Höhe. "Es sind inzwischen über 100 Fälle, die sich am Canisius-Kolleg oder bei mir gemeldet haben", sagte die vom Jesuiten- Orden mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragte Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nicht alle Opfer hätten das Canisius-Kolleg in Berlin besucht. Die meisten betroffenen Schüler kämen jedoch von den drei Jesuiten-Kollegs - neben Berlin das Kolleg St. Blasien im Schwarzwald und das Bonner Aloisiuskolleg. Raue möchte noch in dieser Woche einen Zwischenbericht zu dem Missbrauchsskandal vorlegen.
Immer mehr Fälle werden bekannt
Erste Missbrauchsfälle aus den 70er und 80er Jahren waren am 28. Jänner in Berlin öffentlich geworden. Dann kamen weitere Taten von drei beschuldigten Jesuiten-Patern in Hamburg, Hildesheim, Göttingen, Hannover, im Schwarzwald und in Bonn ans Licht. Die bisher bekannte Zahl der Opfer lag bei mehr als 30.
Zuvor hatte bereits der Rektor des Berliner Jesuiten-Gymnasiums, Pater Klaus Mertes, der "Berliner Zeitung" (Montag) gesagt, er könne sich vorstellen, dass die Opferzahl inzwischen dreistellig sei. Auch im Bistum Hildesheim wurden neue Missbrauchsfälle bekannt, die teilweise mehr als 50 Jahre zurückliegen. Ein Fall wurde auch aus der evangelischen Kirche bekannt. Die Kirchengemeinde Geesthacht (Schleswig-Holstein) suspendierte ihren Kantor wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines 14-jährigen Mädchens vom Dienst.
"Entschuldigung reicht uns nicht"
Bei der Berliner Rechtsanwältin Manuela Groll haben sich inzwischen 20 Betroffene gemeldet, die aber nicht alle weiter betreut würden. "Acht oder neun Opfer möchten eine finanzielle Entschädigung", sagte Groll. Diese Betroffenen sagten ganz klar: "Eine Entschuldigung reicht uns nicht. Wir hätten gern eine andere Geste, die wirklich zeigt, dass bereut wird", schilderte die Anwältin. Mit dieser zivilrechtlichen Aufforderung werde sie sich demnächst an den Jesuiten-Orden wenden, sagte Groll. Denkbar wäre, dass der Orden "als Zeichen der Wiedergutmachung" einen Fonds zur Entschädigung einrichten könnte.
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Beim zweitägigen Krisengipfel im Vatikan zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Irlands standen die deutschen Fälle am Dienstag in Rom nicht zur Debatte.









