"Widerstand in Haiderland" im Kino
In suggestiven Bildmischungen führt Frederick Baker die Demos gegen Schwarz-Blau mit Interviews und Haider-Begräbnis zusammen. Ab Freitag im Kino.

Foto © APA/Pfarrhofer Teilnehmer der Donnerstagsdemo am 21. April 2005 am Wiener Ballhausplatz
Österreich sei ein bissl ein Kind, sagt Josef Hader. Hat nichts Böses gemacht und wenn, dann ganz unabsichtlich. Unverstanden, klein und trotzig sitzt es in der Ecke, "manchmal, wenn es nicht liebgehabt wird". Dass die Österreicher aber auch auf die Straße gehen, nicht einmal, sondern jeden Donnerstag, fast zwei Jahre lang, hat für den austro-britischen Filmemacher Frederick Baker eine eigene Dokumentation verdient. "Widerstand in Haiderland - Masse ohne Macht?" (ab 5. Februar im Kino) zieht eine Bilanz nach zehn Jahren. Mit Jörg Haiders Beerdigung reicht der Bogen fast bis in die Gegenwart.
Der Kabarettist Hader, Ex-ÖVP-Klubobmann Andreas Khol, der Historiker Doron Rabinovici, der Journalist Michael Fleischhacker oder der Schriftsteller Robert Menasse kommen zu Wort, aber auch Demo-Promis wie Anneliese Gesswein, eine schon betagtere langjährige ÖVP-Wählerin, die bei jeder einzelnen Demo dabei war. "Ich war so entsetzt", sagt sie und führt vor, wie sie mit ihren Schlüsselbunden gescheppert haben, ganz am Anfang, vor der ÖVP-Zentrale. "Wir hatten ein unglaubliches Sendungsbewusstsein", blickt Khol dagegen nostalgisch zurück, in seinem großbürgerlichen Wohnzimmer, in dem rund um die Jahrtausendwende die geheimen Koalitionsverhandlungen stattfanden.
Suggestiv
Stark suggestiv schneidet Baker die Aufnahmen zusammen: Jörg Haiders empörendste Aussagen laufen wie Schreibmaschinen-Zeilen über die Leinwand, Protestierende wandern mit Kinderwagen, Musik und "Widerstand"-Sprechchören durch die Stadt, Andreas Khol brüstet sich mit dem Reformtempo, mit dem man die Kritiker überrollte: "Da sind wir drübergefahren." Jörg Haider wird in einem riesigen Bierzelt für eine Rede über die Unschuld der Großväter bejubelt. 60 Jahre zurückgeblendet spricht Adolf Hitler unter Jubel am Heldenplatz. Im Jahr 2000 ist derselbe Platz voll von Demonstranten.
Als "ständestaatlich" analysiert der Vize-Chefredakteur des "Falter", Florian Klenk, die Aufstellung der Berufsgruppen und Uniformen beim Haider-Begräbnis und berichtet von einem Klagenfurter Wirtshaus, in dem sich alle vor dem Fernseher zum Salutieren erhoben. Kärnten sei auch wieder ein Kind, führt Josef Hader sein Bild in konzentrischen Kreisen fort. Unverstanden von Wien, trotzig im Lodenjanker. Als die "Kulturkarawane gegen Rechts" bunt und lautstark durch das Bundesland reiste, hätten viele Kärntner ängstlich Reißaus genommen, blicken die Organisatoren zurück.
"Widerstand in Haiderland" dokumentiert nicht nur eine außergewöhnliche Protestbewegung, die zehn Jahre (sowie Hypo- und Grasser-Skandale und mehrere Parteium- und -neugründungen) später in einer seltsamen Nostalgie ver- und widerhallt, sondern ist selbst Dokument: Ein geschickt-plakativ gemachter Film mit intelligenten Reflexionen zur politischen Kultur Österreichs, den sich aber wohl vor allem jener Teil der Bevölkerung ansehen wird, der hofft, sich in den Aufnahmen der Donnerstags-Demos vielleicht wiederzufinden.
Features
Im Kino
Die Dokumentation "Widerstand in Haiderland - Masse ohne Macht?" des austro-britischen Filmemachers Frederick Baker läuft ab 5. Februar in den Kinos.









