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Zuletzt aktualisiert: 17.01.2010 um 22:19 UhrKommentare

Zurück aus Geheimarchiv in Moskau

Tausende bisher unbekannte Akten aus der Zwischenkriegszeit sind nun im Staatsarchiv in Wien öffentlich zugänglich. Sie lagen in Russland.

Foto © APA'

Sie haben eine Odyssee hinter sich - und sie haben diese offensichtlich unbeschadet überstanden. Die Nationalsozialisten entnahmen geschichtsträchtige Akten aus der österreichischen Zwischenkriegszeit nach dem "Anschluss" aus den Wiener Ministerien und schafften sie nach Berlin. Vorrangig waren es Schriftstücke, die für die Nazis von politischem Interesse waren oder über Gegner Auskunft gaben. Während des Zweiten Weltkrieges brachten die Nazis sie nach Böhmen und Mähren und verstauten sie in Schlössern. Dort stieß die Rote Armee darauf. Als Kriegsbeute landeten die Akten - laut Außenministerium ein "Teil des kulturellen Erbes Österreichs" - im geheimen Militärarchiv in Moskau.

Zahlreiche Dokumente der österreichischen Geschichte aus der Zwischenkriegszeit schlummerten dort jahrzehntelang vor sich hin. Erst während der Perestroika wurde 1990 bekannt, dass sie existieren, auch durch die Forschungen des Grazer Historikers Stefan Karner. Lange, und auf höchster politischer Ebene, wurde zwischen Wien und Moskau über die Rückgabe verhandelt. Vergangenen Sommer fuhr schließlich ein Lastwagen nach Wien. Seine Ladung: fast 11.000 Akten. Seit ein paar Tagen sind diese im Österreichischen Staatsarchiv öffentlich zugänglich.

"Ein großer Teil der Akten sind von der Vaterländischen Front (austrofaschistische Partei des Ständestaates Anm.), es sind auch Nachlässe dabei", sagt Lorenz Mikoletzky, der Leiter des Staatsarchivs. Er rechnet damit, dass manches auftaucht, von dem man bisher nur aus der Literatur oder aus Erzählungen weiß.

Nicht alle Akten retour

Doch nicht alle Akten sind nach Österreich zurückgekehrt. Ein wichtiger Teil liegt weiterhin in Moskaus Archiven. Darunter sind auch Akten der israelitischen Kultusgemeinden in Wien, der Freimaurer und der Pan-Europa-Bewegung. Die Verhandlungen über die Rückgabe wurden laut Bundeskanzleramt unterbrochen, weil es einen Wechsel in der Leitung des Moskauer Archivs gegeben hat.

"Wir verhandeln noch in diesem Jahr darüber", sagt Mikoletzky. Für die Akten, die bereits zurückgegeben wurden, hat Österreich Russland entschädigt. Bisher wurden laut Bundeskanzleramt 62.600 Euro an das Moskauer Archiv für Aufbewahrung, Recherche und Herstellung von Mikrofiche gezahlt. "Es war auf jeden Fall richtig zu bezahlen, denn die Russen haben jahrzehntelang darauf aufgepasst und die Dokumente gut archiviert", so Mikoletzky. Auch die Rückgabe der noch fehlenden Akten wird jedenfalls aufwendig. Denn teils sind sie mit jenen etwa aus Deutschland gemischt. Und Deutschland hat bisher seine Akten nicht zurückbekommen.

SONJA HASEWEND

Fakten

Bis Ende der 1990er-Jahre wussten nur der KGB und das sowjetische Innenministerium von der Existenz des Moskauer Sonderarchivs,in dem auch die Akten aus Österreich lagerten. Die Straße im Norden Moskaus soll keinen Namen, das Gebäude keine Nummer gehabt haben. Errichtet wurde es 1946 von Kriegsgefangenen. In dem Archiv lagerten "Trophäen" (Wertgegenstände, Gemälde, Archivmaterial), welche die Rote Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gesammelt hatte.

Mit der Öffnung kamen Funde wie die Goebbels-Tagebücher, Hitlers private Gästebücher, aber auch ein angebliches Stück von Hitlers Schädel an die Öffentlichkeit.

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