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Zuletzt aktualisiert: 16.01.2010 um 22:15 UhrKommentare

Hoffen auf vier starke Männer in der Kirche

Wer folgt auf die vier Bischöfe, die 2011 um ihre Entlassung aus dem Amt ansuchen? Sicher scheint: Für Konservative stehen die Chancen gut.

Die Bischöfe Fischer (ganz links) und Kothgasser (ganz rechts) im Kreise ihrer Amtskollegen

Foto © APADie Bischöfe Fischer (ganz links) und Kothgasser (ganz rechts) im Kreise ihrer Amtskollegen

"Wir Bischöfe werden alles Mögliche tun, um die bevorstehenden Bischofsernennungen... zu begleiten, in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen vatikanischen Stellen."

Mit diesen Worten versuchten die Bischöfe Österreichs am 16. Februar 2009 in einem Hirtenbrief ihre verärgerten Schäfchen zu beruhigen. Jene Katholiken, die über die Vorgänge um die versuchte Installation des Weihbischofs von Linz und über die Person von Gerhard Maria Wagner, Pfarrer von Windischgarsten, entsetzt waren.

Der Satz aus dem Hirtenbrief, der von allen Kanzeln verlesen wurde, steht nach wie vor auf dem Prüfstand. Vor allem, weil 2011 und 2012 vier österreichische Bischöfe ihre Altersgrenze erreichen und in Rom um ihre Emeritierung vorstellig werden. Es sind dies Bischof Egon Kapellari in Graz, Alois Kothgasser in Salzburg, Paul Iby in Eisenstadt und Elmar Fischer in Feldkirch.

Heißer Draht nach Rom

In "enger Zusammenarbeit mit den zuständigen vatikanischen Stellen" heißt es im Hirtenbrief. Die Formulierung lässt Interpretationen zu. Üblicherweise ist so, dass der päpstliche Nuntius des jeweiligen Landes - seit Jänner 2009 ist dies in Wien Erzbischof Peter Zubriggen - die erste Anlaufstelle ist, auf die sich die römischen Entscheidungsträger stützen. Aber in Österreich läuft dies seit Jahren anders. Der Grund: Kardinal Schönborn hat ausgezeichnete Kontakte in den Vatikan, deshalb "haben schon die beiden letzten Nuntien Georg Zur und Edmond Farhat keine Rolle bei den Bischofsernennungen gespielt", wie ein Kirchenkenner erklärt. Wie weit dies auch auf den neuen Nuntius zutreffen wird, der ein weitgehend "unbeschriebenes Blatt" ist, ist nicht absehbar.

Und zwar ist Kardinal Schönborn mit niemand geringerem als mit Kardinal Giovanni Battista Re befreundet. Und der ist wiederum als Präfekt der Bischofskongregation für Berufungen zuständig.

Den unter Schönborn bestellten Bischöfen wie den Weihbischöfen Anton Leichtfried in St. Pölten und Stephan Turnovsky (Wien), aber auch den Diözesanbischöfen Manfred Scheuer in Innsbruck und Ludwig Schwarz (Linz) ist gemeinsam: Sie sind keine Persönlichkeiten, die über die Grenzen ihrer Diözesen hinaus ausstrahlen. Und innerhalb ihres Wirkungsbereichs leiten sie ihre jeweilige Autorität von ihrem Amt ab. Damit ist klar: Wien überstrahlt die einzelnen Diözesen deutlich.

Gerne stellen die Gläubigen stelllen bei Bischofsbestellungen die Frage: "Wird der Neue konservativ oder progressiv sein?" Die Frage, die von zwei klar abzugrenzenden Richtungen der Kirche ausgeht, die es in dieser Eindeutigkeit nicht gibt, ist eindeutig zu beantworten. "Er wird konservativ sein."

Neue Klerikalisierung

Zu diesem Urteil kommt Burkhard Jürgens, Rom-Korrespondent der Katholischen Nachrichtenagentur KNA. "Wenn wir die letzten Berufungen in Deutschland anschauen, dann kommen meist Vertreter der neuen Konservativen zum Zug." Diese präsentieren sich weltoffen, sind theologisch hervorragend gebildet und haben auch Management-Qualitäten. Zudem zeichnet sie ein starkes Bewusstsein für Hierarchien aus. Daraus folgert Jürgens: "Die Laien werden aus den Leitungsgremien der Kirche wieder herausgenommen. Das bedeutet eine neue Klerikalisierung." Dadurch könnte die Kirche freilich an der Basis weitere engagierte Laien verlieren.

In der Praxis der Kirche zeigt sich aber häufig: Nicht auf konservative oder progressive Personen kommt es an, sondern einzig darauf, ob ein Bischof das Vertrauen der Gläubigen gewinnen kann und ob er Dialogfähig ist. Gerade deswegen ist Gerhard Wagner auch von den eigenen Dechantenkollegen in Öberösterreich abgelehnt worden. Er hat sich gerne von seinen eigenen Priesterkollegen distanziert und ist seinen eigenen Weg gegangen.

Nachdem die zeitlichen Abläufe in Rom nicht berechenbar sind, kann man nur hoffen, dass es 2011 in den jeweiligen Diözesen rasch zu Lösungen kommt, und man sich nicht Monate für die Entscheidungen Zeit lässt. ZU hoffen ist freilich auch, dass starke Persönlichkeiten ernannt werden, denn schwache Bischöfe haben stets Folgeprobleme nach sich gezogen.

WOLFGANG SOTILL

Salzburg

Alois Kothgasser, geboren am 29. 5. 1937. Am 10. 10. 1997 Ernennung zum Bischof von Innsbruck. Am 23. 11. 2002 Wahl durch das Domkapitel zum Erzbischof von Salzburg.

Feldkirch

Elmar Fischer, geboren am 6. 10. 1936. Am 7. 10. 2004 Bestellung zum Ständigen Vertreter des Apostolischen Administrators der Diözese Feldkirch (Vorarlberg).

Graz-Seckau

Egon Kapellari, geboren am 12. 1. 1936. Am 7. 12. 1981 Ernennung zum Bischof von Kärnten, seit 14. 3. 2001 Bischof von Graz-Seckau. Vize- Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Eisenstadt

Paul Iby, geboren am 23. 1. 1935. Leiter der Caritas in Eisenstadt, Leiter des Schulamts. Ordinariatskanzler, Generalvikar. Seit 28. 12. 1992 Bischof von Eisenstadt.

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