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Zuletzt aktualisiert: 10.01.2010 um 15:26 UhrKommentare

Schneemassen und Chaos

Verkehrschaos, Stromausfälle und Unfälle plagten zahlreiche Europäer, Amerikaner, Chinesen und Inder. In Deutschland waren 170 Autofahrer stundenlang eingeschneit. Mehr als 100 Todesopfer hat die Kälte in ganz Europa bereits gefordert.

Foto © AP

Eiseskälte und starke Schneefälle haben in vielen Regionen der nördlichen Erdhalbkugel massive Probleme verursacht. Verkehrschaos, Stromausfälle und Unfälle plagten zahlreiche Europäer, Amerikaner, Chinesen und Inder. Seit dem Beginn des ungewöhnlich heftigen Wintereinbruchs stieg die Zahl der Kälte-Toten europaweit auf mehr als 100. Allein in Großbritannien, das unter dem härtesten Winter seit mehr als drei Jahrzehnten stöhnt, kletterte die Opferbilanz auf mindestens 26 Tote.

Auf mehreren europäischen Flughäfen gab es erneut Verspätungen. In Frankreich, wo das Winterchaos allmählich etwas nachließ, verbrachten etwa 800 Passagiere wegen umgeleiteter Flüge die Nacht zu Sonntag auf dem Flughafen von Lyon. Unter ihnen waren etwa 500 Briten auf dem Weg in die französischen Wintersportgebiete.

In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, die in Deutschland am schlimmsten getroffen hat, wurde ein Krisenstab eingerichtet und teilweise Katastrophenalarm ausgerufen. Auf der Küstenautobahn 20 waren rund 170 Menschen über Nacht in ihren zugeschneiten Fahrzeugen eingeschlossen und konnten erst am Morgen befreit werden. Bei Anklam kämpften Rettungsmannschaften einen Regionalzug frei, der mit 14 Fahrgästen im Schnee steckengeblieben war.

100.000 Haushalte ohne Strom

Im Süden Polens mussten mehr als 80.000 Menschen nach heftigen Schneefällen in Schlesien seit Samstag ohne Strom auskommen, weil Strommaste unter der Schneelast nachgaben. Im niederländischen Bollenstreek, der Blumenzuchtregion zwischen Haarlem und Leiden, brach wegen eines defekten Hochspannungsmastes ebenfalls die Stromversorgung zusammen. Rund 100.000 Haushalte saßen Samstagabend bis kurz vor Mitternacht vier Stunden lang im Dunkeln.

Fakten

Auch der Fährbetrieb innerhalb des Landes und auch die Auslandslinien von Scandlines stellten vorerst ihre Fahrten Richtung Skandinavien ein.

Heftige Schneefälle auch im Osten Tschechiens. Die Bezirke Hradec Kralove, Nachod und Rychnov nad Kneznou riefen am Samstag den Verkehrsnotstand aus. Der Rundfunk meldete vier wetterbedingte Todesfälle am Wochenende: Bei Autounfällen auf Glatteis seien drei Menschen gestorben, ein älterer Mann habe beim Schneeräumen einen Herzinfarkt erlitten. Am Sonntag schneite es dort weiter. Auch in Belgien kamen zwei Autofahrer auf glatter Straße ums Leben.

Ein ungewohntes winterliches Bild überraschte die Bewohner der italienischen Hafenstadt Neapel: Ihr berühmter Hausberg, der 1281 Meter hohe Vesuv, präsentierte sich am Sonntagmorgen fast völlig schneebedeckt. Die weiße Pracht bedeckte nicht nur den Gipfel des Kegels, sondern einen Großteil des Vulkans am Golf von Neapel. Starker Sturm und Regen hatten in den vergangenen Tagen in der Umgebung der Metropole einigen Schaden angerichtet.

Kältewelle auch in Indien: Insgesamt 239 Menschen fielen nach Medienberichten im Norden und Osten des Landes eisigen Temperaturen zum Opfer. Allein im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh wurden in der Nacht zu Sonntag 15 Kälte-Tote gezählt, berichtete der Sender. Die meisten Opfern seien Alte oder Bedürftige. Schlechtes Wetter behinderte auch dort den Bahn- und Luftverkehr.

In Mexiko kamen wegen der andauernden Kälte bis zum Wochenende neun Menschen ums Leben, die meisten davon in den nördlichen Bundesstaaten. In den benachbarten USA hat die Kältewelle am Samstag für eine Seltenheit gesorgt: Schnee in Florida. In dem Bundesstaat, der sonst in den Wintermonaten wegen seines Badewetters beliebt bei Urlaubern und vor allem älteren Menschen ist, fielen dicke Flocken. "Das ist äußerst ungewöhnlich", sagte ein Sprecher des Nationalen Wetterdienstes über den Schnee nördlich von Tampa am Golf von Mexiko. Dort lagen die Temperaturen um den Nullpunkt.

Das frostige Wetter mit Schnee und eisigen Windböen hält in vielen Landesteilen seit Tagen an und hat zu mehreren Toten geführt. Einige Menschen erfroren, wie etwa im Bundesstaat Tennessee, in den ungeheizten vier Wänden. Überflutungen dagegen in Australien, wo auch mehrere Touristen strandeten. Mindestens sieben Menschen wurden noch vermisst, nachdem Hochwasser führende Flüsse sie fortgeschwemmt hatten. Die Bahnstrecke und die Autobahn zwischen Darwin und Adelaide waren nach Medienberichten unpassierbar. In Alice Springs war binnen einer Woche soviel Regen gefallen wie sonst in einem Jahr.


Entspannung

Nach Schneechaos, Stürmen und Überschwemmungen kommt auf die Italiener eine kleine Verschnaufpause zu. Während ein schwerer Sturm noch in der Nacht südlich von Rom Dächer abdeckte und Bäume entwurzelte, wurde für Sonntag eine zumindest zeitweise Beruhigung der Wetterlage erwartet.

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