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Zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 um 16:35 UhrKommentare

Adamovich zu 10.000 Euro verurteilt

Der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofes wurde am Donnerstag in Wien wegen übler Nachrede im Fall Kampusch verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Adamovich am Donnerstag beim Prozess

Foto © ReutersAdamovich am Donnerstag beim Prozess

Weitreichende Folgen könnte ein Urteil haben, das gestern gegen den ehemaligen Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Ludwig Adamovich, gefällt wurde. Der Spitzen-Jurist war der üblen Nachrede im Fall Natascha Kampusch angeklagt und wurde von Richterin Birgit Schneider zu einer Entschädigung von 10.000 Euro verurteilt. Sein Anwalt Christoph Herbst meldete umgehend volle Berufung an, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Adamovich selbst kündigte nach der Verhandlung an, über seinen Rücktritt als Leiter der Evaluierungskommission im Fall Kampusch nachdenken zu wollen. Bis zur Sitzung am 11. Jänner, an dem die Kommission ihren Schlussbericht erstellen will, möchte der 77-jährige Jurist seine Entscheidung getroffen haben.

Ungereimtheiten

Ausgangspunkt des Verfahrens war ein Interview, das Adamovich im Sommer 2009 gegeben hatte. Dabei hatte er behauptet, für Natascha Kampusch wäre die Zeit ihrer Gefangenschaft womöglich "allemal besser" gewesen "als das, was sie zuvor erlebt hat". Kampuschs Mutter Brigitte Sirny fühlte sich davon persönlich angegriffen. Adamovich gelang es am Donnerstag nicht, das Gericht zu überzeugen, dass Sirny mit ihrer Tochter "nicht liebevoll umgegangen ist". Außerdem versuchte er zu belegen, dass sich zwischen dem Entführer und Kampusch eine positive Beziehung entwickelt hatte.

Tatsächlich befand Richterin Schneider den 77-Jährigen für schuldig, die Mutter von Kampusch öffentlich "eines gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens" beschuldigt zu haben, das geeignet war, Sirny verächtlich zu machen. Die Hälfte der Geldbuße wurde dem Juristen bedingt nachgesehen.

Damit hat der Fall Kampusch, der im Sommer 2006 um die Welt ging, eine schillernde Facette dazugewonnen. Ungereimtheiten bei der Aufklärung der achteinhalbjährigen Gefangenschaft von Kampusch führten schließlich zur Einsetzung einer Evaluierungskommission unter Leitung von Adamovich. Dieser ging dabei unerwartet intensiv mit seinen Meinungen in die Medien. Zuvor schon hatte sich auch der steirische Ex-Richter Martin Wabl eingeschaltet und öffentlich die Darstellungen von Natascha Kampusch angezweifelt.

Der Fall selbst ging damals um die Welt, für hohes mediales Echo in den Jahren darauf sorgten die vielen - zumindest vermuteten - Ungereimtheiten.

Mittlerweile wurde der Fall erneut untersucht, der Grazer Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher will demnächst neue Untersuchungsergebnisse präsentieren. Diese beruhen auch auf neuerlichen Verhören eines Freundes von Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil.

Auch Ludwig Adamovich bekräftigte gestern erneut seine Einschätzung, dass Priklopil nicht der Allein-Täter gewesen sein könne.


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