Menschen wurden in Panik totgetrampelt
Explodierende Feuerwerkskörper bei einer Jubiläumsfeier setzten die Plastikdecke einer Bühne in einem Nachtclub in Brand. Insgesamt starben 109 Personen.

Foto © EPARettungskräfte im Einsatz
Bei einer der schwersten Brandkatastrophen der vergangenen Jahre sind in einem Lokal in der russischen Stadt Perm mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen. Wie die Behörden mitteilten, wurden bei dem Feuer in der Nacht auf Samstag etwa 130 weitere Menschen verletzt, mehr als 80 von ihnen schwer. Der russische Präsident Dmitri Medwedew ordnete für Montag Staatstrauer an und forderte die Bestrafung der Verantwortlichen.
Die Zahl der Todesopfer sei auf 109 gestiegen, teilte die mit der Untersuchung der Brandkatastrophe beauftragten Kommission am Samstag mit. Rund 230 Gäste hatten in dem Permer Mittelklasse-Restaurant "Das lahme Pferd" das achtjährige Bestehen des Lokals gefeiert, das an Wochenenden auch als Nachtclub öffnete. Kurz vor Mitternacht wurden nach Angaben der Ermittler offenbar Feuerwerkskörper gezündet, die für den Gebrauch in Innenräumen zugelassen gewesen seien, aber eine umsichtige Handhabe erforderten.
In Panik totgetrampelt
Der Zivilschutzminister der Ural-Region Perm, Igor Orlow, sagte der Nachrichtenagentur ITAR-TASS, einer der Feuerwerkskörper habe eine Plastikdecke in Brand gesetzt, die Flammen hätten sofort auf das ganze Gebäude übergegriffen. Die Menschen seien bei lebendigem Leibe verbrannt oder in Panik totgetrampelt worden. Andere seien an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, sagte Orlow. Durch die Hitze barsten die Fensterscheiben des Ziegelbaus, berichtete ein AFP-Reporter. Die Fenster des Restaurants waren aber so schmal, dass die Restaurant-Besucher nicht hindurchklettern konnten. Eine Anrainerin berichtete, einige Gäste hätten sich durch eine Hintertür retten können.
Medwedew rief für Montag Staatstrauer aus. Die Verantwortlichen der Katastrophe müssten bestraft werden, sie hätten "weder Hirn noch Skrupel", erklärte er in Moskau. Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu sagte, es habe zwei Beschwerden wegen Verstößen gegen die Brandschutzbestimmungen in dem Lokal gegeben. Ministerpräsident Wladimir Putin forderte eine "gründliche Untersuchung" dieser "grauenhaften Katastrophe".
Restaurantbesitzer festgenommen
Einer der Restaurantbesitzer sowie die Leiterin der Gaststätte wurden festgenommen. Grund seien nicht eingehaltene Sicherheitsbestimmungen für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete unter Berufung auf Polizeikreise, dass die Ermittler einen kriminellen Hintergrund nicht ausschließen. Die Polizei habe "ernstzunehmende Hinweise", dass der Brand bewusst herbeigeführt worden sein könnte. Einen Terroranschlag schloss die Staatsanwaltschaft jedoch aus. Am Freitag vor einer Woche waren bei einem Anschlag auf einen russischen Schnellzug mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Zu der Tat hatte sich eine Islamistengruppe aus dem Nordkaukasus bekannt.
Schwerster Brand in den vergangenen Jahren
Die Katastrophe in Perm war der schwerste Brand in Russland in den vergangenen Jahren. Wegen veralteter Leitungen und mangelnder Sicherheitsvorkehrungen bricht dort immer wieder Feuer vor allem in Altersheimen, Krankenhäusern oder Schulen aus. Bei Bränden in Gaststätten sind oft sehr viele Opfer zu beklagen. Ende 2004 waren durch ein Feuer in einer Diskothek in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires 194 Menschen ums Leben gekommen, am 1. Jänner 2009 starben 66 Menschen bei einem Disco-Brand in Bangkok.
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Verletzte
Laut Zivilschutzminister Sergej Schoigu müssen mehr als 50 der insgesamt rund 90 Verletzten künstlich beatmet werden. "Wir sind nicht überzeugt, dass alle Patienten überleben werden. Einige von ihnen haben 80 Prozent verbrannte Körperoberfläche", sagte Schoigu. Nach Angaben von Innenminister Raschid Nurgalijew sind unter den Opfern keine westlichen Ausländer.













