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Zuletzt aktualisiert: 30.11.2009 um 05:00 UhrKommentare

Die fiesen Tricks der Betrüger

Trickbetrüger sind geschickte, verlogene, glaubwürdige, skrupellose Psychologen - und leider erfolgreich. Ein Augenzeuge erzählt, wie das abläuft.

Foto © Scheriau

Österreich mag ja das siebtreichste Land sein, aber davon haben die sozialen Verlierer nichts. Sie schämen sich diskret - oder werden kriminell. Drogenhandel, Raubüberfälle und Frust-Gewalttaten nehmen ständig zu. Hochkonjunktur haben auch Trickbetrüger. Eines ihrer Qualifikationsmerkmale: Außenstehende fragen sich immer, wie die Opfer nur darauf hereinfallen konnten. Ein Augenzeuge aus Maria Saal hat es miterlebt.

"In unserer Nachbarschaft wohnt ein älteres Ehepaar. Die Frau war einkaufen, ihr Mann jätete im Garten. Da hielt ein Auto aus Italien am Zaun und der Lenker, korpulent, graue schüttere Haare, Brille, sprach den Pensionisten an. "Wie es denn so gehe, was er denn so mache, was er früher gemacht habe. Der sprachgewandte Italiener fragte sein Opfer richtig aus.

"Beim Stichwort Finanzamt legte er los: ,Alter Freund, kennst du mich nicht mehr, wir waren doch beide beim Finanzamt. Kommt mich doch mal in München besuchen, ich lade euch zum Oktoberfest ein, ihr könnt bei mir schlafen." Wie viele Menschen seiner Generation war der Nachbar zu einer gewissen Höflichkeit erzogen und dazu, Unbekannten nicht mit dem Stellwagen ins Gesicht zu fahren. Bei Trickbetrügern ist das ein schwerer Fehler. Kaum war der Italiener in der Garage, wollte er dem Mann auch schon eine Lederjacke andrehen. Inzwischen war die Ehefrau vom Einkaufen zurück. Der Trickbetrüger, den der Mann für einen alten Bekannten hielt, sagte, er brauche 100 Euro für seine kranke Frau und wollte die Jacke dafür geben. Die Pensionisten-Gattin holt 50 Euro.

Doch der Täter wusste um seine Macht. Als ihm die Frau den 50er gab, schaute er das Geld vorwurfsvoll an, gab es zurück: "Das ist zu wenig; wir haben 100 Euro gesagt." In ihrer Not, die in dem Moment keine Worte fand, gab ihm die Frau 100 Euro.

Der Augenzeuge: "Darauf ging der Mann hastig zu seinem Auto, ohne auf Wiedersehen zu sagen, und fuhr mit quietschenden Reifen weg. Erst hinterher sind wir draufgekommen, dass er auch die Lederjacke mitgenommen hat."

Das Paar hat keine Anzeige erstattet, weil es dachte: "Sind wir halt einmal reingefallen." Erst als jetzt ähnliche Delikte bekannt wurden, ging es an die Öffentlichkeit - um andere zu warnen. Das ist hiermit geschehen. Was wirklich gemein von den Tätern ist: Um sie angemessen zu behandeln, müsste man ihnen misstrauisch und abweisend gegenübertreten. Sie beschädigen wertvolle soziale Verhaltensweisen.

JOCHEN BENDELE

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