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    Zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 um 19:10 UhrKommentare

    Affentheater vor Gibraltar weitet sich aus

    Diplomatisches Beben: Die britische Marine benutzt die spanische Fahne für Schießübungen.

    Jahrhundertelanger Streit um den Fels von Gibraltar zwischen Spanien und Großbritannien

    Foto © ReutersJahrhundertelanger Streit um den Fels von Gibraltar zwischen Spanien und Großbritannien

    "Als wir uns näherten, holte die Besatzung des britischen Bootes die Boje mit der spanischen Fahne rasch ein und deckte ihre Maschinengewehre zu." So steht es im Bericht der Guardia Civil del Mar, die auf See die Enge von Gibraltar patrouilliert. Der Zwischenfall mit den Schießübungen auf die spanische Fahne erregt die Gemüter der Spanier, nicht aber ihre Regierung. Außenminister Miguel Angel Moratinos wischt Meldungen über Konfrontationen spanischer und britischer Seepatrouillen vor der britischen Kolonie Gibraltar weg und lobt die vorzüglichen Beziehungen zwischen Madrid und London.

    Doch der jüngste Vorfall spricht für sich: Das spanische Wachboot M-22 der Guardia Civil befand sich sieben Seemeilen südlich des Felsens von Gibraltar auf Patrouille. Voraus wurde ein Schiff ausgemacht, das die Beamten für einen Fischkutter hielten. Beim Näherkommen stellte es sich als das Schnellboot P-284 der britischen Kriegsmarine heraus.

    Unsensibel

    Die Soldaten hatten eine Boje ins Wasser gelassen, auf der eine meterhohe spanische Fahne aufgepflanzt war und benutzten diese für Schießübungen mit den Maschinengewehren an Bord. Auf den spanischen Protest antwortete der britische Botschafter Giles Paxman mit einer Entschuldigung für "mangelndes Urteilsvermögen und fehlende Sensibilität" der Navy-Besatzung. Der Vorfall ereignete sich zwischen der spanischen Enklave Ceuta in Nordafrika und dem Affenfelsen, der seit 1713 britisch und seit 1830 britische Kronkolonie ist.

    Der Vertrag von Utrecht (1713) spricht Großbritannien zwar das Land um den Felsen zu, eine Souveränität über die angrenzenden Gewässer gibt er nicht her. Spanien erkennt daher auch nur eine kleine Zone rund um den Hafen von Gibraltar als britisch an. In London geht man von einer britischen Drei-Meilen-Zone aus. Tatsächlich weitet die Royal Navy diese Zone fast täglich weiter aus, wie der Zwischenfall sieben Seemeilen vor dem Festland zeigt.

    Erstmals seit 300 Jahren setzte im Juli ein Mitglied der spanischen Regierung seinen Fuß auf den zu Großbritannien gehörenden Affenfelsen. Der Streit zwischen den zwei EU-Partnern um ein Stückchen Land, auf dem sich Europas letzte in Freiheit lebende Affen tummeln, begann 1704, als ein britischer Admiral den Felsen im spanischen Erbfolgekrieg eroberte. 1713 wurde Gibraltar den Briten zugesprochen. Seitdem gibt es Zank um eine 6,5 km2 große Landzunge.

    GÜNTHER BADING, MADRID

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