Haft für Hochstapler alias "Graf Andrassy"
Ein böses Erwachen auf der Anklagebank gab es am Dienstag im Wiener Straflandesgericht für einen Hochstapler. Der 42-Jährige hatte sich über einen väterlichen Freund Zutritt zu einem Künstlersalon verschafft, den eine gebürtige Russin regelmäßig in ihrem Wiener Domizil veranstaltet. Der Mann gab sich dort als Graf Andrassy aus, verzückte die Damen und andere Gäste mit osteuropäischen Wurzeln.
"Er hat uns allen gefallen. Er hatte ein so wunderbares Benehmen", schwärmte die Russin noch im Zeugenstand. Der angebliche Spross der berühmten ungarischen Adelsfamilie hielt allerdings nicht das, was sich die eine oder andere Dame von ihm versprach. Eine soll sich in der Hoffnung auf eine Hochzeit mit dem angeblichen Grafen sogar schon Eheringe besorgt gehabt haben.
In Wahrheit war der 42-Jährige schlicht darauf aus, seiner Anhängerschaft das Geld aus der Nase zu ziehen. Als ihn eine Dame zu sich nach Haus einlud, raffte er im Schlafzimmer ihren Schmuck zusammen und versetzte diesen im Dorotheum. Einer anderen alleinstehenden Frau, mit der man ihn seinen Angaben zufolge verkuppeln wollte, stahl er einmal aus der Handtasche 4.500 Euro und ließ bei nächster Gelegenheit weitere 400 Euro mitgehen.
Der falsche Graf behauptete, Theologie und Philosophie studiert zu haben und von Papst Johannes Paul II. persönlich zum Priester geweiht worden zu sein. Dann sei er als Missionar in den Kongo gegangen. Die Richterin ließ deutlich durchblicken, dass sie diesen Erzählungen nicht unbedingt Glauben schenkte. Für die Strafbemessung war ihr Wahrheitsgehalt aber auch nicht ausschlaggebend. Sechs einschlägige Vorstrafen dafür umso mehr. Der Mann wurde daher wegen schweren Diebstahls zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.











