Friedhöfe erzählen vom vergangenen Leben
Gräber und Grabinschriften erzählen Geschichten - auch von heute vergessenen Prominenten. Ein Spaziergang.

Foto © Phino
Ich bin auf dem Weg zum Grab eines verstorbenen Freundes. Plötzlich bleibt mein Blick an einem Namen hängen, den ich aus Gesprächen kenne: an der alten Mauer des Friedhofs von Klagenfurt-Viktring der Grabstein von Ferdinand Pluder (1910-1994). Ich erinnere mich dunkel: Straßburg verdankt dem Klagenfurter Textilhändler viel, ein Anruf am nächsten Tag bringt Gewissheit. "Ferdinand Pluder war es, der in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts dafür sorgte, dass unsere Burg nicht komplett verfiel. Der damalige Bundeskanzler Leopold Figl hat bei einem Besuch zu mir gesagt: Da wird nichts mehr. Doch Pluder, ein beweglicher und weltoffener Mann, hat es geschafft, dass Bischof Josef Köstner und viele Helfer mit der Sanierung der Straßburg beginnen konnten", sagt der Straßburger Altbürgermeister Ferdinand Gorton.
Wenig später auf dem Friedhof Annabichl am anderen Ende der Landeshauptstadt. Eine leicht verblassende goldene Inschrift zeigt: "Hier ruht der 1885 geborene Josef Mickl." Seit 1965 liegt hier ein Mann begraben, dessen Name für Bewegung steht. Mickl konstruierte und baute das erste flugfähige Wasserflugzeug der Welt, das es noch in der Monarchie zur Serienreife brachte. Später war Mickl Techniker bei Ferdinand Porsche, er entwickelte den VW-Käfer mit.
Eine Grabplatte auf dem dritten großen Klagenfurter Friedhof in St. Ruprecht ist es, die mich einige Tage später an einen erinnert, der Klagenfurt noch immer prägt. Ein Anruf im Landesarchiv bringt Licht ins Dunkel der Erinnerung. Denn der Baumeister Domenico Venchiarutti (1790-1859) lässt seine Bauwerke auch heute für sich sprechen. Die Elisabethbrücke über den Lendhafen hat er gebaut, das Dorotheum, die Festung in Waidmannsdorf, viele Gebäude entlang des Villacherrings, auch das Hatheyerhaus auf dem Heuplatz errichtete der in Friaul geborene Baumeister. 150 Jahre nach seinem Tod bekommt Venchiarutti mehr als nur einen Blumengruß ans Grab. Seine Nachfahren arbeiten das Leben des Baumeisters in der Neuausgabe der Carinthia auf. Im Dezember wird Venchiaruttis Leben und Werk in gedruckter Form gewürdigt.
Am Weg nach Hause noch ein "Gräberstopp" in Maria Saal. Vor dem Dom ist der Grabstein des "Kärntner Andreas Hofer", des Johann Baptist Türk (1775-1841), leicht zu finden. Türk hatte 1809, während der Napoleonkriege, im Auftrag von Erzherzog Johann und Bischof Salm einen Kärntner Landsturm aufgestellt.
Einige Tage später führt mich ein Nachmittagsspaziergang zu einem, der auf dem Friedhof von Obermühlbach in der Gemeinde Frauenstein seine letzte Ruhe fand. In Rufweite von seinem Geburtshaus entfernt liegt Dr. Martin Wutte (1876-1948) begraben. Der Kärntner Historiker war als Netzwerker der österreichischen Regierung in St. Germain wesentlich daran beteiligt, dass die Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 ein ungeteiltes Kärnten ermöglichte. Wutte wurde später Direktor des Landesarchivs und Autor vieler historischer Publikationen. Wutte wurde posthum vorgeworfen, ein rechtslastiger Ideologe gewesen zu sein. Die Diskussionen darüber erleben zu müssen, blieb ihm erspart.
Von Obermühlbach geht es eine Stunde bergauf zur Burg Freyberg. Diese Burg gehörte einem Ministerialen des Herzogs Bernhard von Spanheim. Herzog Bernhard regierte in Kärnten von 1202 bis 1256. Er liegt im Stift St. Paul im Lavanttal begraben, in dem übrigens noch bis 8. November die Europaausstellung zu besichtigen ist - ein anderer Zugang zur Vergangenheit.
Features
Kurioses
Die wohl renommierteste Schriftstellerin Kärntens, Ingeborg Bachmann, ruht auf dem Friedhof Annabichl in Klagenfurt. Ihr Grab wurde erst kürzlich restauriert.
Ihre Kollegin Christine Lavant wurde am Friedhof von St. Stefan im Lavanttal begraben.
Der französische Schriftsteller Julien Green fand seine letzte Ruhestätte nicht auf einem Friedhof, sondern in der Klagenfurter Stadtpfarrkirche St. Egid.
Auf dem Friedhof St. Ruprecht kann man das Grab des Künstlers Markus Pernhart besuchen.
Mit manchen Gräbern verbinden sich seltsame Geschichten. So findet sich am Ossiacher Friedhof das Grab des polnischen Königs Boleslaw II. Die Grabplatte trägt - natürlich in lateinischer Sprache - die kuriose Inschrift: Boleslaw König von Polen Mörder des Heiligen Stanislaus des Bischofs von Krakau.
Und im Lavanttal glaubt man fest daran, dass in der Kirche von Gräbern der Gemahl der Hemma von Gurk, Graf Wilhelm, begraben liegt. Er soll auf der Durchreise verstorben sein. Historisch belegt ist das allerdings nicht.












