Schlanker leben mit Sarkozy
Das halbe französische Kabinett eifert Sarkozy mit Diäten nach: Neuerdings gibt es schlanke Hummerterrinen statt fetter Gänseleber. Das ist der Startschuss für ein neues Körperbewusstsein in Frankreich.

Foto © EPA/McNameeMit ernährungsbewusster Ehefrau lebt Sarkozy schlanker
Schluss mit Rotwein und Stopfleber: Die Hälfte der französischen Regierungsmitglieder kämpft gegen Fettpölsterchen an - weil der figurbewusste Präsident und seine Topmodel-Frau es so vormachen. Das behauptet zumindest Jean-Michel Cohen, der Star unter den französischen Ernährungsexperten. Zu den illustren Kunden seiner Diätklinik am Rande der Hauptstadt zählen nach seinen Worten mehrere Minister und eine ganze Schar weiterer Politiker.
"Es ist ein bekanntes Syndrom", sagte Cohen der Nachrichtenagentur AFP: "Die Leute ahmen ihren Chef nach. In diesem Fall hat der Chef abgenommen und achtet auf sein Image." Laut Presseberichten hat Sarkozy seit seinem Amtsantritt im Mai 2007 gut sieben Kilo abgespeckt - vor allem, seit er mit dem gertenschlanken früheren Topmodel Carla Bruni zusammen ist. Damit scheint der Präsident einen regelrechten Diätwahn in seinem Kabinett ausgelöst zu haben: Auf "Vorher-Nachher"-Fotos ist zu sehen, dass auch mehrere Regierungsmitglieder inzwischen deutlich schlanker geworden sind.
Suppe, Joghurt und Beeren
Am auffälligsten ist die Verwandlung von Innenminister Brice Hortefeux, einem alten Freund von Sarkozy. Medienberichten zufolge hält sich der Minister an eine strenge Diät aus Suppe, Magermilchjoghurt und roten Beeren. Aber auch Einwanderungsminister Eric Besson, die attraktive schwarze Sportministerin Rama Yade und der Vorsitzende von Sarkozys Regierungspartei UMP, Xavier Bertrand, haben ihre Ernährung umgestellt. "In aller Diskretion", betont Cohen.
Das neue Gesundheitsbewusstsein wirkt sich natürlich auf die Tischgewohnheiten des Kabinetts aus. "Früher bestand ein typisches Essen aus Lammbraten mit Bohnen, Apfelkuchen und einer halbe Flasche Rotwein", berichtet der Ernährungsexperte. Damit sei jetzt Schluss. Angesagt seien stattdessen kalorienarme Hummer-Terrinen, Salat mit Flusskrebsen und Mineralwasser.
Sarkozy hat lange an einem kämpferisch-dynamischen Image gearbeitet. Gleich nach seiner Amtsübernahme eilte er die Stufen des Elysee-Palastes im Joggingdress hoch. Doch erst nach der Scheidung von seiner zweiten Frau Cecilia wurde es wirklich ernst mit dem Fitness-Trip. "Es geht ihm eben wie jedem anderen auch", meint Cohen: Nach der Trennung von seiner Frau habe Sarkozy sich aufrappeln und sich seiner Attraktivität neu versichern müssen.
Expertin in Ernährungsdingen
Eine neue Dimension habe dies nach der Heirat mit Bruni erreicht - die 13 Jahre jüngere "First Lady" sei als langjährige Laufstegschönheit eine echte Expertin in Ernährungsdingen. Motiviert wurde Sarkozy möglicherweise auch durch hämische Kommentare über ein Illustriertenfoto, das ihn im Sommerurlaub 2007 in Badehose zeigte und auf dem mehrere Speckröllchen wegretuschiert werden mussten.
Während US-Präsidenten von John F. Kennedy bis Barack Obama von jeher auf ihre Linie achteten, sei das neue Körperbewusstsein in Frankreich eine "kleine Revolution", sagt Cohen. Lange Zeit habe dort ein großzügiger Leibesumfang - zumindest bei Männern - eher als vertrauenerweckend gegolten. Doch nun sei es besser angesehen, den eigenen Körper unter Kontrolle zu halten und schlank zu bleiben. Übergewicht gelte geradezu als unmoralisch.
Dicker werden als Versager dastehen
Gerüchten zufolge soll Sarkozy vor der Regierungsumbildung im Juni einem Möchtegern-Minister geraten haben, erst mal seine Haare schneiden zu lassen und ein paar Kilo abzunehmen. Geschasst wurde das letzte rundliche Kabinettsmitglied - der Staatssekretär für den öffentlichen Dienst, Andre Santini. Ende des Jahres will die Pariser Regierung eine Kampagne gegen Fettleibigkeit starten. "Wer dann noch zu dick ist, wird als Versager dastehen", prophezeit Cohen.
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Sarkozy anno 2007 mit Ex-Ehefrau - und angeblichen 7 Kilogramm mehr Foto © Reuters
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Dann kam Carla und mit ihr viele Joggingrunden für NicholasFoto © Reuters













