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Zuletzt aktualisiert: 08.10.2009 um 07:23 UhrKommentare

Der Terror kommt per SMS

Schneller, lauter, brutaler: Mobbing bekommt durch neue Kommunikationsmedien gefährliche Ausmaße. Schüler und Lehrer sind davon am ärgsten betroffen.

Das Mobbing erreicht Schüler immer und überall: Die diffamierenden Bilder und Texte gelangen blitzschnell auf das Handydisplay

Foto © KLZ/KoscherDas Mobbing erreicht Schüler immer und überall: Die diffamierenden Bilder und Texte gelangen blitzschnell auf das Handydisplay

"Wenn du morgen in die Schule kommst, bist du tot." Absender unbekannt. Eine kurze SMS-Mitteilung, die den Schulalltag zur Hölle macht. Was ein wenig nach überdramatisiertem Jugendroman klingt, ist traurige Realität: Schüler hänseln, bedrohen und verletzen Mitschüler via SMS und Internetforen. Unkontrolliert und im Schutze der Anonymität verbreiten Kinder Gehässigkeiten, die weit über die Unfreundlichkeiten gehen, die für gewöhnlich auf Schulhöfen ausgetauscht werden.

Mobbing aus dem Netz

Das Problem heißt Cyber-Mobbing und hat bereits drei Mädchen aus Großbritannien das Leben gekostet. Derart drastische Konsequenzen gab es in Kärnten glücklicherweise noch nicht, aber Schüler der Mittel- und Oberstufe klagen immer öfter über Mobbing aus dem Netz. Pauline Thamer ist Sozialpädagogin der Kärntner Jugendanwaltschaft, besucht regelmäßig Schulen und wird ständig mit diesem Problem konfrontiert: "Die Kinder schicken Beschimpfungen mit SMS, sie veröffentlichen peinliche Fotos auf Plattformen wie SchülerVZ oder Myspace. Dabei ist ihnen gar nicht klar, was sie damit anrichten."

Denn das Mobbing hat mit den modernen Kommunikationsmitteln eine neue Dimension erreicht: Einerseits erreichen die diffamierenden Inhalte mit dem geringen Aufwand eines Knopfdrucks ein riesiges Publikum. Die Internetgalerie ist nicht nur für die Klasse abrufbar, sondern gleich für die ganze Schule. "Das ist den Tätern meist gar nicht bewusst, wie viele andere auch mitlachen werden."

Ein anderer Faktor ist die Geschwindigkeit der Verbreitung. Ein Bild via SMS ist binnen Sekunden weitergeleitet, die Beleidigung verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Ist ein Text oder Bild erst im Internet veröffentlicht, ist es gar nicht so leicht, die Inhalte wieder löschen zu lassen. Die Opfer werden so immer wieder mit dem Mobbing konfrontiert.

Hemmschwelle sinkt

"Die Möglichkeiten des Internets und des Handys haben das Mobbing wesentlich erleichtert. Die Hemmschwelle, jemanden zu diffamieren, ist durch die Anonymität stark gesunken", berichtet Thamer von ihren Erfahrungen aus vielen Gesprächen mit Schülern.

Nicht nur die sind vom Cyber-Mobbing betroffen. Thamer kennt einige Fälle von Lehrern, deren Schüler sie fotografiert und die bearbeiteten Fotos veröffentlicht haben: "Der Lehrer, dessen Kopf auf einen Esel montiert wurde, ist da noch eines der harmloseren Beispiele." Die Lehrer haben in diesem Fall auch nur wenig Handlungsspielraum: "Wir können die Kinder sensibilisieren, was sie mit den öffentlichen Diffamierungen anrichten. Möglichkeiten zu Sanktionen bestehen kaum", sagt Lehrergewerkschafter Karl Heinz Rosenkranz. An seiner Schule, dem BG Tanzenberg, hat man bereits auf die Problematik reagiert: Filmaufnahmen sind laut Hausordnung untersagt. Nicht alle Schulen sind schon soweit: Der Direktor eines Klagenfurter Gymnasiums wollte seine Schüler nicht zu dem Thema Stellung nehmen lassen. Das würde seine Schule in ein schiefes Licht rücken.

Die Motive für das Cyber-Mobbing ortet Thamer im sozialen Gefüge der Klassengemeinschaft. "Die Täter versuchen, ihr geringes Selbstbewusstsein zu verbessern, indem sie Macht über ihre Opfer ausüben. Die Zuschauer springen nicht helfend ein, weil sie fürchten, selbst Opfer zu werden." Das ergibt einen Teufelskreis, aus dem die Kinder ohne Hilfe nicht herausfinden. "Deshalb ist es wichtig, jeden Fall von Cyber-Mobbing aufzudecken und den Täter damit zu konfrontieren. Man muss bei den Kindern das Bewusstsein schaffen, dass ein solches Verhalten nicht akzeptabel ist."

JOSEF PUSCHITZ

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