Polanskis Anwälte an Verhaftung mitschuldig
Die US-Anwälte von Regisseur Roman Polanski haben dessen Festnahme am Samstag in der Schweiz womöglich provoziert. Das berichtete die "Los Angeles Times" am Dienstag . Die Rechtsvertreter hätten sich im Sommer bei einem Berufungsgericht beschwert, dass es in drei Jahrzehnten keinen ernsthaften Versuch der Behörden gegeben habe, eine Auslieferung Polanskis zu erreichen.
Dies soll zur Verhaftung in der Schweiz beigetragen haben, mutmaßte eine namentlich nicht genannte Quelle. Die Anwälte sollen den Umstand, dass es bisher kein Auslieferungsbegehren seitens der USA gegeben habe, laut "LA Times" mit Blick auf mutmaßliche Verfahrensfehler in dem Fall angeführt haben. Die Anschuldigungen hätten die Behörden entgegen den Absichten der Anwälte angespornt, nach einer Möglichkeit für eine Verhaftung des Filmregisseurs zu suchen - die Wahl ist laut dem Blatt auch deshalb auf die Schweiz gefallen, weil sie ein Auslieferungsabkommen mit den USA unterzeichnet hat.
Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles wehrte sich indes gegen Kritik, das Missbrauchsverfahren nicht korrekt geführt zu haben. Es sei unzutreffend, dass sie sich nicht um die Verhaftung des Filmemachers bemüht habe, seit dieser 1978 geflüchtet sei, erklärte die Behörde am Montag. Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte eine Liste über die mehrfachen Versuche, die Verhaftung Polanskis im Ausland zu erreichen. Zuletzt sei dies im Jahre 2007 mit einem an Israel übermittelten Haftbefehl geschehen.
Der Regisseur war wegen Missbrauchs einer Minderjährigen bereits seit 2005 international zur Verhaftung ausgeschrieben. Das Opfer hat ihm inzwischen vergeben und spricht sich für eine Einstellung des Verfahrens aus, dem sich Polanski vor 32 Jahren durch Flucht entzogen hatte.
Noch am 16. September konnte Polanski unbehelligt Wien besuchen. Am Samstag war Polanski in Zürich, weil er das "Goldene Auge" für sein Lebenswerk erhalten sollte. Seither sitzt er in Auslieferungshaft. Frankreichs und Polens Außenminister wollen US-Präsident Obama um die Begnadigung des weltberühmten Regisseurs ersuchen.











