Taucher erfühlen Sprengsätze
Auf den Gründen der Kärntner Seen lagern tonnenweise Munition und Granaten. Experten des Innenministeriums bergen derzeit Kriegsrelikte aus dem Ossiacher See.

Foto © phinoManfred Kollmann vom Entminungsdienst birgt Granaten aus dem Ossiacher See
Schlamm schließt Munition und Stahlgehäuse vom Sauerstoff ab. Granaten werden so perfekt gelagert. Es rostet nichts, sie sind voll einsatzfähig und innen wie neu", sagt Wolfgang Korner vom Entminungsdienst des Innenministeriums.
Er hat mit seiner Mannschaft im Laufe dieser Woche wieder Sprengsätze aus dem Wasser geborgen, die seit 1954 auf dem schlammigen Seegrund liegen. Diesmal war der Ossiacher See an der Reihe. Die Gefahr, dass diese Sprengkörper im Wasser von allein hoch gehen, sei zwar nahe null. Das Risiko seien aber Sporttaucher, die verbotener
Weise Kriegsrelikte bergen wollen. "Wer mit Granaten und Munition hantiert kann eine Katstrophe auslösen. Geht eine hoch, könnten im Umkreis von 20 Metern Menschen umkommen", sagt Korner. Deshalb werden die Kärntner Seen seit 1969 systematisch von Kriegsrelikten befreit.
Vor allem für Sporttaucher erreichbare Wassertiefen sind im Visier des Entminungsdienstes. Hier gilt es Menschen vor sich selbst zu schützen. "Manche Taucher stoßen durch Zufall oder Absicht auf Granaten und bergen sie. Sie bringen die Sprengkörper in seichtes Gewässer und lassen sie dort liegen - aus Angst erwischt zu werden, oder um sie später zu holen. Wenn dann unbeteiligte Dritte damit hantieren, wird es gefährlich", warnt Korner. Das Bergen von Kriegsrelikten stelle eine Verwaltungsübertretung dar. Der Besitz von Kriegsmunition sei strafbar.
Suche im Schlamm
Die Taucher des Entminungsdienstes erledigen einen brisanten Job. Sie tauchen ab, bis sie im Schlamm stehen. Dann gehen sie über den Seeboden und sinken dabei knietief im Schlamm ein. Der wird aufgewühlt und nimmt so jede Sicht. Die Sprengkörper werden erfühlt. In Ossiach sind die Taucher in rund zwölf Metern Tiefe aktiv. Seit 1968 wurden jährlich bis zu 100 Tonnen Kriegsmunition aus den Kärntner Seen geborgen. "1954 haben die Engländer fabrikneue Munition im Ossiacher See versenkt - schätzungsweise den Inhalt von 1000 Eisenbahnwaggons", sagt Korner.
Am Längsee wiederum wurde die Munition im Winter auf dem Eis gelagert. Im Frühjahr verschwand das Eis und mit ihm tonnenweise Kriegsrelikte im See. Das Tauchen nach Munition ist vor allem in den zum Teil seichten Kärntner Seen ein Thema, denn hier ist sie auch für Sporttaucher erreichbar. Während beispielsweise die Seen Salzburgs - ähnlich wie der Wörthersee - an vielen Stellen so tief sind, dass kein Sporttaucher dazu kommt.
Seegrund ist als Lagerstätte absolut konservierend. "Die Waffen sind wie neu und für Experten sofort einsetzbar", warnt Korner. Die Zeiten, wo 100 Tonnen pro Jahr geborgen wurden, sind aber aus Kostengründen vorbei. Dennoch bringt ein Tauchgang von zwei Tauchern in zwanzig Minuten bis zu 15 Sprengsätze an die Wasseroberfläche. Bis zu zehn Tonnen jährlich werden nach wie vor aus den Seen geholt.
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Auf der Suche nach SprengsätzenFoto © phino














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