Ein Amoklauf und die Frage nach dem Warum
Der Amokläufer von Ansbach hat überlebt: Die Ermittler können erstmals Erkenntnisse über die Motive finden.

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Das humanistische Gymnasium Carolinum, im mittelfränkischen Ansbach, ist eine der ältesten Schulen Bayerns. Im Schuljargon wird sie liebevoll "Caro" genannt. Ihr besonderes Wahrzeichen ist ein Burgturm, eine echte Trutzburg.
Gestern um halb neun in der Früh wurde dieses antiquierte Gebäude mit der ganzen Brutalität der Gegenwart konfrontiert: Georg R., Maturant in dieser Schule, stürmte mit Axt, Molotow-Cocktails und Messern in das Gebäude und verletzte zehn Menschen. Zwei Schülerinnen kämpfen noch mit dem Leben.
Tatort
Die eine hat tiefe Stich- und Schnittwunden im Kopfbereich, die andere erlitt schwerste Brandverletzungen. Noch Schlimmeres konnte verhindert werden, weil ein Einsatz-Team der Polizei nach wenigen Minuten am Tatort war und den 18-jährigen Attentäter überwältigen konnte. Georg R. wurde angeschossen, aber er lebt.
Nun hoffen die Ermittler, dass sie erstmals Erkenntnisse über die Motive der Attentäter finden, denn bislang starben die Amokläufer immer auch selbst. Wie in Winnenden, wie in Erfurt. Der Anschlag in Ansbach lässt unweigerlich an diese vergangenen Schul-Massaker in Deutschland denken und führt auch diesmal zur Frage: Wieso?
Die bayrische Landtagspräsidentin Barbara Stamm beklagte den Amoklauf in Ansbach als Alarmsignal für eine zunehmende Sprachlosigkeit. "Dieser erneute Amoklauf an einer Schule ruft nach einer intensiven Ursachenforschung, wie wir der seelischen Not von Kindern und Jugendlichen begegnen können", sagte Stamm. Für sie ist es besonders wichtig zu klären, warum sich immer mehr junge Menschen nicht mehr mitteilen könnten und niemanden mehr hätten, dem sie sich mit ihren Gedanken anvertrauen könnten.
Kriminologe Arthur Kreuzer von der Uni Gießen beobachtet bei Amoktätern ähnliche Motive: "Meist sind es Einzelgänger, die alles in sich hineinfressen" und irgendwann wie ein Überdrucktopf explodierten. "Die Tat ist ein Akt der scheinbaren Befeiung. Einmal bin ich der Mächtige", erklärt der Kriminologe, "danach ist alles zu Ende."
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Täter war in Therapie
Der 18 Jahre alte Amokläufer von Ansbach war nach einem Bericht des "Bayerischen Rundfunks" seit längerem in psychotherapeutischer Behandlung. Im Zimmer des Täters hätten die Ermittler außerdem Briefe gefunden, in denen von einer bevorstehenden Apokalypse die Rede war, wie der Sender am Donnerstagabend berichtete.













