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Zuletzt aktualisiert: 08.09.2009 um 09:09 UhrKommentare

"Strafen für Alko-Lenker sind zu niedrig"

Ein betrunkener Autolenker (18) fährt in eine Fußgängergruppe und tötet zwei Frauen. Höhere Strafen hätten den Unfall zwar nicht verhindern können, zeigen aber Wirkung, sagt Verkehrspsychologe Dieter Krainz.

Verkehrspsychologe Dieter Krainz hält Österreich in Bezug auf Verkehrsstrafen für ein Schlaraffenland

Foto © LeodolterVerkehrspsychologe Dieter Krainz hält Österreich in Bezug auf Verkehrsstrafen für ein Schlaraffenland

Können Unfälle wie das tragische Unglück mit zwei Toten am Sonntag aus Ihrer Sicht verhindert werden?

DIETER KRAINZ: Solche Unfälle werden immer passieren. Und das trotz aller guten Vorsätze. Denn wenn jemand Alkohol trinkt, werden die Vorsätze schnell vergessen.

Warum fällt es scheinbar vielen schwer, beim Autofahren auf den Alkohol zu verzichten?

KRAINZ: Weil sie sich dann noch sicherer fühlen, auch wenn sie objektiv gar nicht mehr in der Lage sind, ein Fahrzeug zu lenken. 90 Prozent der alkoholisierten Lenker sind Männer, viele davon überschätzen ihre Fahrkünste auch im nüchternen Zustand, das wird durch den Konsum von Alkohol noch verstärkt. Gerade bei jungen Lenkern kann das zum tödlichen Cocktail werden.

Sind die Verkehrsstrafen in Österreich, gerade was Übertretungen wie Alkohol am Steuer betrifft, denn hoch genug?

KRAINZ: Selbst seit der Erhöhung der Strafen am 1. September leben wir noch immer in einem Schlaraffenland was das Ausmaß der Strafen betrifft (Anm.: Ländervergleich unten). Darum darf sich niemand beschweren und von Abzocke sprechen, wenn er erwischt wird.

Erzielen die Strafen dann auch den gewünschten Zweck?

KRAINZ: Hohe Strafen haben natürlich einen Effekt. Das Problem ist aber, dass die Strafen zeitnah erfolgen müssen. Wenn jemand zu schnell fährt und erst Wochen später den Strafzettel per Post bekommt, erzielt das keine Wirkung. Wenn alkoholisierte Lenker aufgehalten werden oder einen Unfall bauen, dann ist das Problem, dass sie nur bedingt mitbekommen, was eigentlich geschehen ist.

Handeln einige Verkehrssünder vielleicht auch wider besseren Wissens?

KRAINZ: Nein, beim Wissen über Gefahren im Straßenverkehr sind die Österreicher top. Viele halten sich aber trotzdem nicht an die Verkehrsregeln, weil sie davon ausgehen, dass sie sowieso nicht erwischt werden.

Wie könnte man dem sinnvoll entgegen steuern?

KRAINZ: Strafe muss bei jedem Fehlverhalten erfolgen, nicht nur sporadisch. Wenn jemand alkoholisiert mit dem Auto fährt und schon einmal davongekommen ist, wird er es wieder versuchen. Irgendwann wird das richtige Verhalten dann ignoriert.

Kann man Verkehrsteilnehmer, die sich ein falsches Verhalten angeeignet haben, überhaupt umerziehen?

KRAINZ: Das ist das Ziel des Verkehrscoachings, das mit der Erhöhung der Strafen am 1. September eingeführt worden ist. Jeder, der mit einer Alkoholisierung zwischen 0,8 und 1,19 Promille gestoppt wird, muss nun ein Coaching in Form eines Gruppengesprächs absolvieren.

Welche Erwartungen werden in das Coaching gesetzt?

KRAINZ: Bisher haben wir nur Erfahrungen mit Nachschulungen bei höherer Alkoholisierung. Die sind aber sehr positiv. Die Rückfallrate bei Alkolenkern ist binnen drei Jahren von rund 40 Prozent auf 20,7 Prozent zurückgegangen. Auch die Mehrphasenausbildung in den Fahrschulen ist erfolgreich, die Bilanz zeigt einen Rückgang von 30 Prozent bei der Zahl der Unfälle von Führerscheinneulingen.

Kann man das Problem Alkohol am Steuer überhaupt lösen?

KRAINZ: Ein wichtiger Schritt wäre es, den Lenkern mehr Verantwortungsbewusstsein beizubringen.

INTERVIEW:RAINER BRINSKELLE

Ländervergleich: Skandinavien

In Schweden und Norwegen gelten 0,2 Promille als Obergrenze. Verstöße sind äußerst teuer. So wird in Norwegen gleich bei Verlassen der Fähre kontrolliert, ein positives Ergebnis kostet rund 2000 Euro, der Pkw bleibt stehen.

USA

In den Vereinigten Staaten von Amerika gilt de facto die 0,0 Promille-Grenze, da Fahren unter dem Einfluss von Alkohol generell verboten ist. Kontrollen sind häufig, bei Verstößen ist ein Aufenthalt im Gefängnis keine Seltenheit.

Slowakei

Seit Februar gilt ein neuer Strafenkatalog in der Slowakei, schon das Schnellfahren kann 830 Euro kosten - Alkohol am Steuer dementsprechend mehr. Auch in der Slowakei gilt übrigens die 0,0 Promille-Grenze für Autofahrer.

Deutschland

Schon der erste Verstoß kostet 500 Euro, bei weiteren Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sind dann 1000 bzw. 1500 Euro Strafe fällig. Für Fahranfänger ist Alkohol am Steuer generell tabu, ab 21 Jahren gelten 0,5 Promille.

Spanien

Hier droht bei schweren Vergehen wie dem Fahren mit 60 km/h über der Höchstgeschwindigkeit oder mit mehr als 1,2 Promille Alkohol im Blut gleich eine Haftstrafe von mindestens drei Monaten Gefängnis, weiß der ÖAMTC.

Italien

Pkw-Reisende müssen in Italien besondere Aufmerksamkeit walten lassen. Bei Alkohol-Delikten mit mehr als 1,5 Promille kann es passieren, dass das Fahrzeug beschlagnahmt, enteignet und zwangsversteigert wird. Doch auch kleinere Vergehen kosten schon mindestens 155 Euro. Um die Zahl der nächtlichen Unfälle zu verringern gilt seit 8. August: Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, Alkoholfahrten oder Drängeln sind die Strafen zwischen 22 und 7 Uhr um ein Drittel höher als tagsüber.

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